Wo sich Kompetenzen ergänzen: Der nanoTruck zu Gast in Wenden

Alle zwei Jahre verwandelt sich die beschauliche Gemeinde Wenden im Sauerland in ein Mekka der Nanotechnologen. Und zwar immer dann, wenn die dort ansässige Zoz Group zum internationalen Nanostruktur-Symposium „OZ“ einlädt und sich hochrangige Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Industrie die Klinke in die Hand geben. Um neben den anspruchsvollen Fachvorträgen und Präsentationen auch ein Programm für alle interessierten Bürgerinnen und Bürgern anbieten zu können, sollte der nanoTruck für anschauliche Einblicke in die vieldiskutierte Querschnittstechnologie sorgen. „Der nanoTruck war als verbindendes Element zwischen den hochkarätigen Unternehmensvertretern und Wissenschaftlern, die im Konferenzraum und der Fachmesse verschwinden, und den vielen Menschen, die als neugierige Schulklassen und interessierte Bürgerinnen und Bürger „herbei-motiviert“ werden, gedacht. Denn das soziale Umfeld und somit unsere Gesellschaft sind für uns von höchster Priorität“, blickt Gastgeber Dr. Henning Zoz zurück, und ergänzt: „Wenn wir Technologie selbst nicht mögen würden, dann könnten wir sie auch nicht machen, dann fänden wir weder Märkte noch Mitstreiter noch Nachwuchs!“ Um diesen Nachwuchs zu informieren und zu motivieren, sollte der nanoTruck die Reise nach Wenden antreten. Eine Reise, die nicht ganz ohne Hürden blieb und den nanoTruck-Wissenschaftlern einiges an Improvisationstalent abverlangte.
Gemeinsam erkundeten die Nanotechnologie-Experten den nanoTruck in Wenden. Zuvor wurde die Gelegenheit für ein Gruppenfoto genutzt. © Zoz GroupGemeinsam erkundeten die Nanotechnologie-Experten den nanoTruck in Wenden. Zuvor wurde die Gelegenheit für ein Gruppenfoto genutzt. © Zoz Group

„Natürlich war auch ein bisschen Enttäuschung zu spüren, als wir zunächst ohne Truck nach Wenden kamen“, berichtet nanoTruck-Wissenschaftler Alexander Heusel über die Reaktionen bei den Gastgebern und Gästen. Immerhin hatte die Lokalpresse den Besuch des nanoTrucks schon Tage zuvor angekündigt. Doch das nanoTruck Service- und Wissenschaftsteam reagierte sofort, und der Einsatz des imposanten Wissenschaftsmobils musste schließlich nicht komplett abgesagt werden. Am letzten von drei geplanten Einsatztagen in Wenden fuhr das „Ausstellungs- und Kommunikationszentrum auf 18 Rädern“ auf dem Wendener Rathausplatz vor. Bis dahin boten Alexander Heusel und sein Kollege Marco Kollecker der trotz karnevalistischer Top-Konkurrenz zahlreich erschienenen Besuchergruppe ein Ersatzprogramm. Im kleinen Ratssaal des Rathauses gaben sie in unterhaltsamen und allgemein verständlichen Vorträgen Einblicke in die Grundlagen und vielfältigen Anwendungsgebiete der Nanotechnologie.

Nanotechnologie für alle Lebensbereiche

Die Zuhörer staunte dann auch nicht schlecht als schnell deutlich wurde, warum die Nanotechnologie zu den wichtigsten Technologien des 21. Jahrhunderts zählt und alles andere als Science Fiction ist. „Was die Besucher immer am meisten fasziniert ist die Tatsache, in wie vielen Bereichen die Nanotechnologie schon heute eingesetzt wird und dass es Anwendungen in fast allen Lebensbereichen gibt“, fasste Alexander Heusel die lebhafte Diskussion zusammen, die sich im Anschluss an den Vortrag zwischen den Besuchern und den Wissenschaftlern entwickelt hatte.

Spannende Neuigkeiten nicht nur für Nano-Experten

Viel zu Hören und zu Sehen gab es auch auf der nebenan stattfindenden Konferenz, für die insgesamt 130 Nano-Experten aus 15 Ländern angereist waren. Dr. Detlef Müller-Wiesner, Senior Vice President bei der Airbus Group, machte etwa deutlich, dass die Elektromobilität nicht nur im Automobilbau ein großes Thema ist. Weil die weltweiten Erdölvorräte in absehbarer Zeit zur Neige gehen würden, stehe auch in der Luftfahrt die Suche nach alternativen Antriebskonzepten ganz oben auf der Agenda. Bei Airbus werde insbesondere am Einsatz von Brennstoff- und Solarzellen gearbeitet. Zwei Forschungsfelder, die unmittelbar mit der Nanotechnologie in Verbindung stehen und deren Praxistauglichkeit bereits anhand voll funktionstüchtiger Flugzeug-Prototypen getestet werde, wie der Technologie-Manager berichtete. Neben Vorträgen bot die Konferenz auch einige spannende Ausstellungsstücke und Präsentationen. Beispielsweise eine Magnetschwebebahn, die dank eines Hochtemperatursupraleiters völlig reibungslos und nahezu ohne Widerstand ihre Runden drehte. Um den Schwebe-Effekt aufrecht zu erhalten musste allerdings regelmäßig flüssiger Stickstoff mit einer Temperatur von -200°C in das Gefährt nachgefüllt werden, was zeigte, dass bis zur Alltagstauglichkeit eines solchen Transportkonzepts noch viel Forschungsarbeit zu leisten ist.

Brücke zwischen Wissenschaft und Gesellschaft

Der technisch wieder flott gemachte nanoTruck brachte dann am letzten Konferenztag jede Menge weitere Exponate und „Hands-on-science“-Objekte mit, was sich die meisten Konferenzteilnehmer nicht entgehen ließen und die Gelegenheit zur Stippvisite im nanoTruck nutzten. Denn immerhin gehört Neugier zu einer der Grundvoraussetzungen für angehende und praktizierende Wissenschaftler. Doch auch viele interessierte Bürgerinnen und Bürger, die schon am Sonntag beim Vortrag zu Gast waren, nutzten die Chance, sich in der mobilen Ausstellungswelt umzusehen und Antworten auf weitere Fragen zu erhalten. Sie wurden nicht enttäuscht, ergaben sich doch am Rande der „Offenen Tür“ nicht nur Gespräche zwischen den Wissenschaftlern und ihren Gästen, sondern auch zwischen Laien und Experten. Ein durchweg positives Fazit zog auch der Prof. Zoz: „Der Besuch des nanoTrucks ist immer wieder eine große Freude und eine hervorragende Bereicherung für die Tagung. Vor allem weil dieses HighTech-Gefährt eine Brücke zwischen der Wissenschaft und den interessierten Bürgern schlägt, indem hier sichtbar wird, wie die Nanotechnologie dabei hilft, moderne Elektronikprodukte zu entwickeln, Flugzeuge in Zukunft zu verbessern, die Umwelt zu schützen und erneuerbare Energien verfügbar zu machen - das ist etwas, wobei der nanoTruck uns allen sehr hilft.“ Ende gut, alles gut.

  • Gastgeber Prof. Dr. Henning Zoz im Gespräch mit Konferenzgästen in der Ausstellung des nanoTrucks, in der sich auch drei Exponate der Zoz Group befinden. © Zoz Group
  • Auch im Rathaus präsentierten sich viele Aussteller mit eigenen Exponatstationen, die zum Treffpunkt für den Gedankenaustausch zwischen den Wissenschaftlern wurden. © Zoz Group
  • Selbst für die Experten gab es im nanoTruck noch einiges zu entdecken.
  • Während die Konferenzteilnehmer im Rathaus ihre neuesten Erkenntnisse vorstellten und diskutierten, stand der nanoTruck auf dem Vorplatz allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern offen. © Zoz Group
  • Anfassen ausdrücklich erlaubt: Neugier gehört zu den Grundvoraussetzungen im Beruf des Wissenschaftlers. © Zoz Group
  • Die Nanotechnologie aus den Laboren der Wissenschaft geholt und anschaulich erklärt: Viele Gäste machten in der Ausstellung Erinnerungsfotos von ihrem unterhaltsamen Ausflug. © Zoz Group