WissenschaftsjournalistInnen für einen Tag

„Wow, ganz schön viel Arbeit!“ Antonia, Schülerin der 10. Klasse der Würzburger Montessori-Schule, hatte gerade die letzten Arbeiten am Computer mit dem Videoschnittprogramm abgeschlossen und lehnte sich stolz zurück. Auf dem Bildschirm war nach drei Stunden konzentrierten „Cuttings“ das Ergebnis eines aufregenden, aber auch anstrengenden Drehtages zu sehen. Dazu hatte die Initiative nanoTruck des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zusammen mit dem Zentrum für Mediendidaktik (ZfM) an der Universität Würzburg an diesem 11. November in den nanoTruck eingeladen. Auf dem Programm stand der 3. Schüler-Medienworkshop, der es einer Gruppe von zwölf Mittel- und Oberstufenschülerinnen und -schülern ermöglichte, einen ganzen Tag lang in die Rolle von Wissenschafts-Reporterinnen und Reportern auf den Spuren der Nanotechnologie zu schlüpfen. Anlass war die Einladung des nanoTrucks zur feierlichen Preisverleihung zum Abschluss des 8. Nano-Schulwettbewerbs der Initiative junge Forscherinnen und Forscher e.V.
Wie echte Journalisten: Beim Interview mit den nanoTruck-Experten gingen die Schülerinnen und Schüler den Geheimnissen der Nanotechnologie auf die Spur.Wie echte Journalisten: Beim Interview mit den nanoTruck-Experten gingen die Schülerinnen und Schüler den Geheimnissen der Nanotechnologie auf die Spur.

Begonnen hatte der trübe Novembertag auf dem Universitätscampus Am Hubland noch recht gemächlich. nanoTruck-Wissenschaftlerin Dr. Meike Naumann gab eine kurzweilige Einführung in die Winzlings-Welt der Nanotechnologie und zog die Nachwuchsreporter mit einer bildhaften Erklärung in ihren Bann: „Stellt euch vor, ihr wärt selbst nur fünf Nanometer groß und ihr geht auf einer 1-Cent-Münze spazieren. Wenn ihr bei der Prägung der Ziffern und Buchstaben ankommt, dann erscheinen die euch wie 4.000 Meter hohe Berge!“ Nach diesem und einigen weiteren Aha-Erlebnissen ging es ins Profi-Filmstudio des ZfM, wo die beiden Coaches, Dr. Thomas Möckel und Frank Maier, einen Crashkurs in Film- und Kameratechnik vorbereitet hatten. In einer knappen Stunde drehte sich alles um den professionellen Umgang mit der Filmkamera, das richtige Licht, die richtige Kameraposition, das Handling des Mikrofons und die professionelle Steuerung eines Interviews.

Filmen wie die Profis

Danach ging es Schlag auf Schlag. Kaum waren die ersten Probeaufnahmen im Kasten und der Soundcheck durchgeführt, kündigte sich auch schon ein hochkarätiger Gast an. Prof. Dr. Martin Kamp, Leiter des Lehrstuhls für Technische Physik an der Universität Würzburg, hatte bei der Frage, ob er den Schülerinnen und Schülern für Interviews zur Verfügung stehen würde, keine Sekunde gezögert, und stand nun gemeinsam mit dem „rasenden Reporter“ Lukas vom Team „Nano-Praxis“ im Studio vor der Kamera.

Das zweite Team „Nano-Karriere“ hatte sich unterdessen ein Stockwerk höher im Tonstudio eingerichtet, um die begleitenden Sprechertexte aufzunehmen. „Bin das wirklich ich?“, fragte Sprecherin Zoe ungläubig, nachdem sie zum ersten Mal ihre eigene Aufnahme gehört hatte. Eine Erfahrung, die sicherlich jeder schon einmal gemacht hat, wenn man sich erstmals selbst sprechen hört. Eine weitere wichtige Erkenntnis der Session vor dem Mikrofon lag darin, dass zu einem spannend gesprochenen Text deutlich mehr gehört, als ihn einfach nur abzulesen. So gab Frank Maier immer wieder hilfreiche Tipps bei der Betonung einzelner Wörter, wies auf die richtige Sprechgeschwindigkeit hin und zeigte, wo es Sinn macht, dem Zuhörer eine kurze Pause zu gönnen.

Verblüffende Erfahrungen

Nachdem beide Teams ihre Studio-Interviews und Tonaufnahmen im Kasten hatten, ging es hinaus in den Außeneinsatz. Zwei Stunden Dreharbeit in und rund um den nanoTruck, so hatte Medienprofi Frank Maier kalkuliert, sollten für rund drei bis vier Minuten Laufzeit im fertigen Film genügen. Was zunächst sehr großzügig bemessen klang, stellte sich schon bald als absolut notwendig heraus. So machte Reporter Lukas die Erfahrung, dass es einiges an Überzeugungsarbeit benötigt, um Passanten für einen Kommentar vor die Kamera zu bekommen. Antonia, die sich mit ihrem Team dem Thema „Ausbildung, Studium und Karriere in der Nanotechnologie“ gewidmet hatte, erkannte währenddessen im nanoTruck, dass Interviews, die im Fernsehen ganz locker aussehen, in der Realität eine Menge Konzentration und manchmal auch mehrere Anläufe benötigen. Dazu stand ihr die Würzburger Doktorandin und Absolventin des Master-Studiengangs Nanostrukturtechnik, Anne Schade, Rede und Antwort. Charmant erläuterte die junge Wissenschaftlerin unter anderem, wie sie -  ausgehend von ihrem ursprünglichen Studienwunsch „Jura“ - ihre Begeisterung für die Naturwissenschaften entdeckt hatte, womit sie einen wichtigen, weil besonders interessanten Beitrag zum Karrierethema beitrug.

Videoschnitt im Datenberg

Mit dem Hinweis „prüft noch einmal, ob ihr alles aufgenommen habt, was ihr für eure Reportage braucht?“, kündigte Thomas Möckel gegen Mittag das Ende der Dreharbeiten an. Sein Credo: „Besser zu viel als zu wenig!“ Ob die beiden Kamerateams tatsächlich genügend Material gesammelt hatten, das sollte sich spätestens beim Videoschnitt im ZfM-Studio nach der wohlverdienten Mittagespause zeigen, die Antonia, Emma, Christoffer, Lukas & Co. nutzten, alle aufgezeichneten Daten mit einem Volumen von gut 80 Gigabyte auf die Server des ZfM zu übertragen. Danach hieß es alle Einzelclips und Interviews sichten, bewerten, sortieren und auswählen, oder, wie es Frank Maier zusammenfasste: „Vor dem Vergnügen kommt die Arbeit!“

Gut drei Stunden später, als draußen schon die spätherbstliche Dämmerung eingesetzt hatte, war die Arbeit endgültig wieder in Vergnügen umgeschlagen. Anthony, der noch kurz zuvor am Bildschirm akribisch Filmschnipsel zusammengesetzt hatte, lehnte sich nun entspannt im Stuhl zurück und zog ein zufriedenes Fazit: „Das hat heute echt Spaß gemacht. Vor allem, weil einem dabei klar geworden ist, was alles an Aufwand dahintersteckt, wenn man abends den Fernseher einschaltet.“ Ob er sich selbst einen Beruf in der Medienbranche vorstellen kann, wusste der Zwölftklässler aber noch nicht. Er sei eigentlich mehr an Naturwissenschaften interessiert und da traf es sich gut, dass an diesem Tag das MINT-Thema Nanotechnologie im Mittelpunkt stand. Darüber, so waren sich die letzten im Schnittraum des ZfM mit ihrem PCB Fachlehrer Michael Matzat verbliebenen „Kurzzeit“-ReporterInnen einig, „möchten wir auf jeden Fall noch viel mehr erfahren“.

Die Videos der Schülerinnen und Schüler finden Sie auf YouTube:

https://www.youtube.com/watch?v=Z-8kkzPV8jg
https://www.youtube.com/watch?v=XArTH-C14z8

  • Keine Angst vorm Mikrofon: Beim Interview-Training wurde geübt, wie mit der Technik professionell gearbeitet wird.
  • Die Coaches vom Zentrum für Mediendidaktik (ZfM) standen bei Fragen zur Technik immer mit Rat und Tat zur Seite, wie hier Geschäftsführer Dr. Thomas Möckel.
  • Technik-Crashkurs: ZfM-Experte Frank Maier gab hilfreiche Tipps für den Umgang mit der Aufnahmetechnik.
  • Bevor es ernst wurde, übten die Nachwuchsreporter die Interviewsituation im Team.
  • Einfach nur den Text ablesen und schon ist der Sprechertext im Kasten... Was sich theoretisch so einfach anhört, entpuppt sich in der Praxis als ganz schön knifflig: Tonlage, Sprechgeschwindigkeit, Pausen und die richtige Betonung, das alles muss berücksichtigt werden.
  • Gerade stehen und das Mikrofon anlächeln: Medienprofi Frank Maier zeigte, wie man den Text für einen TV-Beitrag richtig spricht.
  • Ohne sie läuft nichts: Die Gesichter hinter der Kamera.
  • Einmal mit professioneller Aufnahmetechnik einen eigenen Film drehen, das war beim Schüler-Medienworkshop der Initiative nanoTruck gemeinsam mit den Experten des ZfM möglich.
  • Experten wie Prof. Dr. Martin Kamp von der Universität Würzburg standen den Nachwuchsreportern auch vor der Kamera Rede und Antwort.
  • Gruppenbild mit Einstein. Auf diesem Erinnerungsfoto von den Dreharbeiten mit den beiden Experten Prof. Dr. Martin Kamp (links) und Doktorandin Anne Schade (rechts) hat sich ein Pappkamerad mit bekanntem Gesicht ins Bild gemogelt.
  • Ein letzter Check bevor es los geht: Nach den Studioaufnahmen muss bei Tageslicht sicherheitshalber ein neuer Weißabgleich durchgeführt werden.
  • Von kaltem Herbstwetter nicht abzuschrecken: Aus dem Studio ging es für die rasenden Reporter direkt hinaus in den Außeneinsatz. Immer mit dabei war auch Frank Maier, der Studioleiter des ZfM.
  • "Haben Sie schon einmal etwas von der Nanotechnologie gehört?": Die rasenden Reporter auf Stimmenfang vor dem nanoTruck.
  • Sieht im Fernsehen immer ganz locker aus, verlangt aber vom Reporter vollen Einsatz und viel Überzeugungsarbeit: Das spontane Interview mit Passanten.
  • Auf der Jagd nach den besten Motiven gab es auch bei den Dreharbeiten im nanoTruck viel zu entdecken.
  • Bitte lächeln: Der Spaß kam bei den Dreharbeiten nicht zu kurz.
  • Halbzeit! Alle Filmaufnahmen und Interviews sind im Kasten... Zeit für eine Mittagspause und ein Erinnerungsfoto vor dem nanoTruck.
  • So viele Aufnahmen und so wenig Platz im fertigen Film: Im Schnittraum des ZfM wurde am Nachmittag erst einmal über die Szenenauswahl diskutiert.
  • Erst die Arbeit, dann das Vergnügen: Beim Schnitt am PC war noch einmal Konzentration gefragt.