"Es gibt vieles, das noch nicht erforscht ist!"

Gerade erst hatte das neue Schuljahr am Gymnasium in Herzogenaurach begonnen und schon bot sich der Schulgemeinde Ende September mit dem Besuch des nanoTrucks ein besonderes Highlight. Zugleich war dies für den Parlamentarischen Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Stefan Müller, MdB, eine willkommene Gelegenheit, um dem begehrten Wissenschaftstruck in seinem Wahlkreis einen Besuch abzustatten.
Der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Stefan Müller, MdB, nutzte den Besuch im nanoTruck auch zum Gespräch mit Schülerinnen und Schülern.Der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Stefan Müller, MdB, nutzte den Besuch im nanoTruck auch zum Gespräch mit Schülerinnen und Schülern.

„Diesmal hat’s geklappt“, freute sich Schulleiter Norbert Schell. Denn schon mehrfach hatte sich seine Schule in den vergangenen Jahren um ein Gastspiel der doppelstöckigen Ausstellungs- und Erlebniswelt beworben – aufgrund der bundesweit großen Nachfrage bisher leider vergebens. Nun aber nutzte Schell die Gunst der Stunde und lud alle Schülerinnen und Schüler ein, bei dem von Physiklehrer Heinz Hilpert organisierten Termin „Technik zum Anfassen“ zu erleben. Denn gerade die Nanotechnologie sei hochaktuell und im nanoTruck könne man sehen, dass „Forschung nicht etwas ist, was alte Männer in alten Labors machen“, betonte Schell zu Beginn eines Workshops, der ganz im Zeichen der Motivation von Jugendlichen zu einem nachhaltigen Flirt mit naturwissenschaftlich-technischen Karriereperspektiven stand.

Wettstreit um die stärkste Grätzelzelle

Wie gut das funktionierte, zeigte sich bereits am Vormittag des ersten Tages. Mit großer Neugier hatten 13 Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen den nanoTruck gestürmt und folgten gespannt dem kurzweiligen Vortrag von Wissenschaftler Dr. Niklas Kotman, der „sehr informationsreich und anschaulich war“, wie ein Schüler anschließend lobte. Weil eines der wichtigsten Prinzipien im nanoTruck aber das eigenhändige Ausprobieren von Technik und Forschung ist, ging es für die Nachwuchswissenschaftler in Zweierteams beim Bau einer voll funktionstüchtigen Farbstoffsolarzelle auf Nano-Basis praxisnah weiter. Eine tolle Abwechslung zum gewöhnlichen Unterricht sei das gewesen, strahlten die beiden Schülerinnen Katharina und Tamina, die zuvor beim Wettstreit um die stärkste Solarzelle auch dank der kräftigen Herbstsonne alle übrigen Teams mit gut 50 Millivolt Vorsprung geschlagen hatten. „Eine tolle Leistung“, staunte auch Staatssekretär Stefan Müller, der den Workshop aufmerksam begleitet hatte und sich nun freute, den beiden Siegerinnen als Preis ein einzigartiges „Nano-Puzzle“ überreichen zu können.

Wichtigstes Werkzeug der Nanowissenschaftler live im nanoTruck

Damit war der Workshop jedoch noch lange nicht beendet. Denn zum Einsatz kam nun das „wichtigste Werkzeug der Nanowissenschaftler“, wie Niklas Kotman den folgenden Programmpunkt mit dem Elektronenmikroskop ankündigte. „Ohne diese Erfindung gäbe es die Nanotechnologie heute noch gar nicht“, erklärte der Experte weiter und ergänzte: „Mit herkömmlichen Lichtmikroskopen konnte man zuvor nicht bis in den Nanometer-Bereich hineinsehen. Und was man nicht sehen kann, kann man nur schwer verstehen.“ Eine passende Materialprobe für die Untersuchung unter dem Hightech-Gerät steuerte Stefan Müller bei, der spontan eine Euro-Münze aus der Tasche zog. „Aus wissenschaftlicher Sicht ein sehr schönes Objekt. Die Prägungen auf der Oberfläche sind im Nanomaßstab regelrechte Gebirge“, erklärte Niklas Kotman den staunenden Schülern beim Blick auf die sich auf dem Computerbildschirm abzeichnende Struktur. Genau diese verblüffenden Momente seien es, die manch einen dazu motivieren könnten, sich beruflich in Richtung Naturwissenschaften zu orientieren, war sich Müller sicher. „Dann haben wir und diejenigen, die den nanoTruck betreuen alles richtig gemacht“, so der Staatssekretär mit Blick auf den großen Bedarf gut ausgebildeter Fachkräfte in technisch- naturwissenschaftlichen Berufen.

nanoTruck weckt Forschergeist

Dass Müller mit dieser Einschätzung richtig liegen könnte, zeigten schon die positiven Reaktionen der Schülerinnen und Schüler in Herzogenaurach. Denn auch wenn für Neuntklässler die berufliche Zukunft meist noch einige Jahre entfernt liegen mag, waren viele der jungen Teilnehmer überzeugt davon, dass die Nanotechnologie für sie später noch wichtig werden wird. „Ich hätte nicht gedacht, dass die Nanotechnologie heute schon so viel genutzt wird. Auch wenn ich später mal einen anderen Beruf habe, werde ich sicherlich etwas damit zu tun haben“, so der vierzehnjährige Christian. Als sich Stefan Müller abschließend mit den motivierenden Worten "Es gibt vieles, das noch nicht erforscht ist!" an seine Zuhörer wandte, dürfte sein Appell, sich auch weiterhin mit der Faszination der Naturwissenschaften zu beschäftigen, vermutlich auf offene Ohren gestoßen sein.

Entsprechend fiel auch das Fazit über die gut eineinhalbstündige Reise in die Nanowelten aus, das der betreuende Lehrer Heinz Hilpert lieferte: „Meine Schüler sehen hier, wie Wissenschaft funktioniert, dass ein Experiment funktionieren aber auch einmal schief gehen kann und dass Forschung vor allem Spaß macht. So gesehen war das für alle ein großer Motivationsschub.“ In dieser Hinsicht könnte sich auch die von Wissenschaftler Niklas Kotman eingangs geäußerte Hoffnung erfüllen, als er mit einem Augenzwinkern erklärte, dass er auch nicht ewig arbeiten werde: „Wenn ich einmal in den Ruhestand gehe, muss jemand meine Arbeit übernehmen.“ Als sich der Truck am frühen Nachmittag leerte, sah es zumindest ganz danach aus, als müsste er gar nicht mehr solange warten, bis die ersten Nachfolger bereit stehen würden.

  • Zur Erinnerung an den gelungenen Workshop im nanoTruck gab es ein Gruppenfoto mit allen Beteiligten.
  • Staatssekretär Stefan Müller ließ sich von einem Schüler den Aufbau der selbst erstellten Nano-Solarzelle auf Farbstoffbasis erklären.
  • Bei der Begrüßung betonte Stefan Müller die großen Chancen, welche die Nanotechnologie bietet: "Da steckt viel Potenzial drin und deswegen haben wir auch in Zukunft großen Bedarf für Forscherinnen und Forscher." Ebenfalls anwesend waren Schulleiter Norbert Schell, Physiklehrer Heinz Hilpert und der wissenschaftliche Projektleiter Dr. Andreas Jungbluth von der Agentur FLAD & FLAD Communication (v.r.n.l.).
  • In seinem Einführungsvortrag demonstrierte nanoTruck-Experte Dr. Niklas Kotman die besonderen Eigenschaften von Nanomaterialien anhand einer Aerogel-Matte, die kaum Wärme leitet.
  • Der kurzweilige und lebendige Vortrag von Niklas Kotman sorgte für gespannte Zuhörer.
  • Alles steht bereit: Das Experiment zum Bau einer vollfunktionstüchtigen Farbstoffsolarzelle auf Nano-Basis kann losgehen.
  • Zunächst muss die nanostrukturierte Schicht aus Titandioxid den Farbstoff aus Hibsikusblütentee aufnehmen.
  • Kein Friseursalon, sondern der nanoTruck: Die feuchten Plättchen müssen schnell getrocknet werden.
  • In Reih und Glied aufgestellt, mit Teamwork geht's am schnellsten.
  • Niklas Kotman führte seine jungen Gäste gekonnt durch den anspruchsvollen Workshop, ohne dass dabei Langeweile aufkam.
  • Während einiger kurzer Pausen nutzten die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, um auch das Obergeschoss des Trucks zu erkunden.
  • Fast fertig: Kaum zu glauben, dass dieses kleine Plättchen gleich Strom aus Sonnenlicht erzeugen wird.
  • Im letzten Schritt kommt eine Elektrolyt-Flüssigkeit aus Kaliumiodid hinzu.
  • Staatssekretär Stefan Müller nutzte die Gelegenheit, um sich im Hintergrund mit Pressevertretern auszutauschen.
  • Der Moment der Wahrheit: Im Sonnenlicht zeigt sich, welches Team die stärkste Solarzelle gebaut hat.
  • Staatssekretär Stefan Müller überreicht den beiden Siegerinnen Katharina und Tamina jeweils ein "Nano-Puzzle" als Preis.
  • Sichtlich stolz zeigten sich die beiden Schülerinnen über ihre Leistung.
  • Noch war aber lange nicht Schluss: Mit dem Rasterelektronenmikroskop ging es anschließend hinab in die winzigen Strukturen der von Stefan Müller gestifteten Euro-Münze.
  • Alle Augen blickten gebannt auf das Bild des Computerbildschirms.
  • Zum Abschluss demonstrierte Kotmans Kollege Dr. Marco Kollecker noch den berühmten Lotuseffekt und sorgte damit einmal mehr für verblüffte Gesichter.
  • Der Forschergeist schien geweckt worden zu sein. Bevor es wieder zurück in den gewöhnlichen Schulalltag ging, erkundeten die Schüler noch weitere Exponate.