„Was für ein Mega-Truck!“: Der nanoTruck zu Besuch am Bayer Kommunikationszentrum in Leverkusen

Eigentlich informiert der nanoTruck über die Technik in allerkleinsten Dimensionen. Doch bei dessen Anblick überwiegt bei vielen Besuchern erst einmal die Verblüffung über dessen imposante Größe. Wie so oft sind es auch bei der mobilen Dialoginitiative des Bundesforschungsministeriums aber die inneren Werte, auf die es wirklich ankommt. Und was der nanoTruck in dieser Hinsicht zu bieten hat, versetzte manchen Gast in Leverkusen beim Betreten des nanoTrucks gleich ein zweites Mal ins Staunen.
Dr. Julia Donauer führt ihren Besuchern die neue "Ferrofluid-Fontäne" im nanoTruck vor. (Foto: BayKomm)Dr. Julia Donauer führt ihren Besuchern die neue "Ferrofluid-Fontäne" im nanoTruck vor. (Foto: BayKomm)

Wie klein ist eigentlich ein Nanometer?

Es ist gerade 8.45 Uhr am Morgen und mancher Schüler reibt sich noch etwas verschlafen die Augen, da legt Chemiker Marco Kollecker zum Start der ersten Schülerführung an diesem Tag auch schon los: „Wie klein ist eigentlich ein Nanometer?“ will der projektbegleitende Wissenschaftler von seinen Zuhörerinnen und Zuhörern wissen. Was folgt, sind einige Sekunden betretenen Schweigens. Dann wagt sich eine Schülerin vor: „Im Unterricht haben wir gelernt, dass das 10-9 Meter sind!“ „Ganz genau!“ erwidert Kollecker strahlend. Weil sich aber nur wenige etwas unter dieser mathematischen Größe vorstellen können, wird der Experte konkreter. Ein Nanometer sei etwa 50.000 Mal kleiner als der Durchmesser eines dünnen Menschenhaares, oder, anders formuliert, im Millimeterabstand auf einem Lineal hätten eine Million Nanometer Platz, so Kollecker. Das leuchtet allen ein und spätestens jetzt ist die Neugierde in der ganzen Gruppe geweckt. Jedem ist jetzt klar, dass es in der Nanotechnologie um winzigste Teilchen und Strukturen geht – bis hinunter auf die molekulare Ebene.

Wissenschaft zum Anfassen und Mitmachen

Für zwei Tage hatte das Kommunikationszentrum BayKomm des Bayer-Konzerns den nanoTruck nach Leverkusen eingeladen, um allen Interessierten, vor allem aber Schülerinnen und Schüler aus der Region, ein attraktives Informationsangebot zum Zukunftsthema Nanotechnologie zu bieten. Denn das BayKomm hat sich selbst auf die Vermittlung ebenso komplexer wie nicht immer leicht verständlicher Themen aus der unternehmenseigenen Forschung und Entwicklung spezialisiert. In insgesamt acht Themenräumen geben hier rund 300 Exponate, Schaubilder und andere Ausstellungsobjekte einen praxisbezogenen Überblick darüber, welche Beiträge die Wissenschaft zur Verbesserung der Lebensqualität leisten kann. Das Team des nanoTrucks zeigte sich von der Verbindung beider Ausstellungen begeistert, denn so konnten sich die überwiegend jungen Besucherinnen und Besucher in gleich zwei Themenwelten, im BayKomm und im nanoTruck, fachkundig machen. Für angemeldete Schulklassen bestand sogar die Möglichkeit, einen Vortrag zu den Grundlagen der Nanotechnologie in einem der großen Hörsäle des Kommunikationszentrums zu verfolgen.

Faszinierende Nanotechnologie

Dass Technik gar nicht kompliziert sein muss, um verblüffende Effekte zu erzeugen, wurde vielen Gästen im nanoTruck schnell deutlich. Dazu genügte schon ein kleines Experiment mit einem getrockneten Lotusblatt und einem Tropfen Ketchup. Wegen seiner nanostrukturierten Oberfläche lässt diese besondere Pflanze jede Flüssigkeit spurlos abperlen, was jedes Mal für verblüffte Gesichter im „Publikum“ sorgt. Ein anderes Exponat, um das sich in Leverkusen immer wieder Trauben von Besuchern scharten, sei ganz neu in der Ausstellung, berichtete nanoTruck-Wissenschaftlerin Julia Donauer: „Unsere Ferrofluid-Fontäne haben wir erst seit kurzem an Bord. Dabei handelt es sich um eine magnetische Flüssigkeit, mit welcher die Besucher dank eines Elektromagneten selbst experimentieren können.“ Das kam sichtlich gut an. Immer wieder wurde an der Exponat-Station der Knopf gedrückt und der Magnet aktiviert, woraufhin sich die eigentlich unscheinbare, schwarze Flüssigkeit in faszinierende, stachelförmige Strukturen ausbildete.

Trotz Ferrofluid-Fontäne und Lotusblatt fanden auch die anderen Ausstellungsobjekte im nanoTruck ihre Fangemeinde. So interessierte sich die achtzehnjährige Hannah vor allem für solch neuartige Nano-Materialien wie die Kohlenstoffnanoröhren oder das Graphen: „Es ist wirklich beeindruckend, welche Eigenschaften diese Stoffe bieten. Ich will später auf jeden Fall ein naturwissenschaftliches Fach studieren, gut möglich, dass ich dann wieder mit der Nanotechnologie zu tun habe.“ Julia Donauer nickte zustimmend, denn, so die Biologin, überall in der Natur, in der Chemie und auch in der Physik würden Prozesse im Nanokosmos ablaufen. Deshalb sei die Nanotechnologie auch eine sogenannte „Querschnittstechnologie“, die Aspekte aus allen naturwissenschaftlichen Bereichen in sich vereine.

Um auch anderen Schülern davon zu erzählen, tourte der nanoTruck auch gleich weiter zur nächsten Schule zunächst nach Beerfelden im Odenwald und anschließend in den hohen Norden nach Kiel und Neumünster.

  • Unterhalb des Bayer-Schornsteins konnte Dr. Julia Donauer viele neugierige Besucher im nanoTruck begrüßen. (Foto: BayKomm)
  • Für eine Schulklasse schien der große Hörsaal im Bayer Kommunikationszentrum etwas überdimensioniert zu sein. Spannend war der Vortrag von Dr. Marco Kollecker aber allemal.
  • Einmal selbst mit einem echten Rasterelektronenmikroskop arbeiten - auch das ist im nanoTruck möglich.
  • Sieht geheimnisvoll aus, ist es aber gar nicht. Die Ferrofluid-Fontäne lud zum eigenständigen experimentieren ein.
  • Wo man auch hinschaut, überall gab es etwas Neues zu entdecken. Viele Ausstellungsstücke sind zudem zum Anfassen uns selbst bedienen.