Ravensburg: Haarige Tatsachen und nächtliche Nanowelten

Anlässlich der Technik- und Wissenschaftsnacht „Perspektive 2011 – Erlebnis Technik“ am 13. Mai war der neue nanoTruck des Bundesministeriums für Bildung und Forschung für drei Tage zu Gast in Ravensburg. Zahlreiche Schulklassen und interessierte Besucher kamen in die mobile Ausstellungswelt, um Nanotechnologie interaktiv zu erleben. Dass dabei aber gleich Haare ausgerissen wurden, war nicht geplant.
Mikro und Makro nebeneinander. Maxi, der Spender der Haarprobe neben der Elekronenmikroskop-Aufnahme seines Haares.Mikro und Makro nebeneinander. Maxi, der Spender der Haarprobe neben der Elekronenmikroskop-Aufnahme seines Haares.

„Können wir mit dem Elektronenmikroskop auch mal ein Haar untersuchen?“, fragte der Schüler Maxi. „Sicher können wir das machen, aber dazu brauchen wir natürlich auch eine Haarprobe“ meinte Katharina Müller, projektbegleitende Wissenschaftlerin im nanoTruck. Da ließ sich Maxi nicht zweimal bitten und rupfte sich beherzt einen ganzen Büschel Haare heraus! Mehr als genug, damit die Schülergruppe die kleinsten Strukturen eines menschlichen Haares einmal genauer betrachten konnte. Ein nicht alltägliches Erlebnis für die Schüler, denn die teuren und empfindlichen Rasterelektronenmikroskope findet man sonst nur in den Laboren der Forscher.

Nanotechnologie – Kleines ganz groß

„Wisst ihr denn, wo wir im täglichen Leben schon mit der Nanotechnologie in Berührung kommen?“, fragte Katharina Müller ihre jungen Gäste und erntete zunächst ratlose Blicke. „In Computern!“, äußerte schließlich der Schüler Magnus und lag damit genau richtig. „In nahezu allen elektronischen Geräten stecken heutzutage Chips, die auf Transistoren im Nanometer-Bereich basieren“, so Katharina Müller. Doch dies ist nur eines unter vielen Anwendungsbeispielen, die heute schon fast alltäglich sind. Hinzu kommen Einsatzmöglichkeiten bei Sport- und Freizeitgeräten, in der Medizin, in der Oberflächenbehandlung, bei der Herstellung extrem stabiler und gleichzeitig leichter Materialien und vielerlei Anwendungen mehr. „Von der Nanotechnologie haben wir schon einmal etwas in der Schule gelernt. Dass es aber so viele Anwendungsbereiche gibt, ist mir neu. Das finde ich schon sehr interessant“, erläuterte Anja, die sich nach dem einleitenden Vortrag und der anschließenden Lasershow auf Erkundungstour durch den doppelstöckigen Truck gemacht hatte.

Im nano-Zukunftslabor

Einen Blick in die Zukunft der Energieerzeugung konnten die Schüler beim Bau einer nanokristallinen Solarzelle werfen, der sogenannten Grätzelzelle. Den Nutzen dieser mit einfachsten Hilfsmitteln hergestellten organischen Farbstoffsolarzelle erklärte Julia Donauer, ebenfalls wissenschaftliche Begleiterin im nanoTruck: „Diese Art der Solarzelle hat den Vorteil, dass sie deutlich günstiger herzustellen ist als herkömmliche, auf Silizium basierende Photovoltaikzellen. Denn Silizium gibt es zwar tatsächlich wie Sand am Meer, jedoch ist der Gewinnungsprozess sehr aufwändig.“

Nanotechnologie zum Anfassen bei der Perspektive 2011

Ein besonderes Highlight  war die große Erlebnisnacht der Technik, die zum ersten Mal in Ravensburg stattfand. Sie gewährte den Besuchern spannende Einblicke in die Möglichkeiten und Potenziale verschiedener Technikfelder. Selbstverständlich, dass die Türen des nanoTrucks im Rahmen dieser Veranstaltung auch bis spät in die Nacht offen standen. Und so herrschte auch reger Andrang: rund 500 Besucher ließen es sich nicht entgehen, sich über alle Aspekte und konkreten Anwendungsfelder der Nanotechnologie zu informieren und mit den projektbegleitenden Wissenschaftlern über Chancen, Risiken, Herausforderungen sowie Studien- und Ausbildungsmöglichkeiten zu diskutieren.

Nanotechnologie on Tour

Nanotechnologie live können auch Sie erleben. Nach seinem Aufenthalt in Ravensburg ist der nanoTruck schon wieder auf der Reise zu den nächsten Zielen in ganz Deutschland – bestimmt kommt er auch in Ihre Nähe. Informationen zu den Stationen der bundesweiten nanoTruck-Tour erhalten Sie im Standortverzeichnis.

  • Der nanoTruck erwartet seine Gäste.
  • Auf geht's zur Reise in den Nanokosmos: Neuntklässler der Realschule Ravensburg stürmen den nanoTruck.
  • Schüler erkunden die Ausstellung im Obergeschoss des nanoTrucks.
  • Die zahlreichen interaktiven Exponate luden zum experimentieren und ausprobieren ein. Hier die Ferrofluid-Probe, die ein nanotechnologisches Material zeigt, das bei der Tumorbekämpfung eingesetzt wird.
  • Volles Haus: Der nanoTruck war während seines dreitägigen Aufenthaltes in Ravensburg gut besucht.
  • Die projektbegleitenden Wissenschaftlerinnen Julia Donauer (l.) und Katharina Müller (r.) empfingen Gabriele Kreiß, die Vorsitzende der Arbeitsagentur-Geschäftsführung in Ravensburg.
  • Katharina Müller im Gespräch mit Herrn Fischer (Mitglied der Geschäftsleitung der Arbeitsagentur) über die Studienmöglichkeiten im Bereich der Nanotechnologie.
  • Was es hier wohl zu sehen gibt?
  • Im Obergeschoss des nanoTrucks geht es vor allem um die Themen "Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung" sowie "Energie als Zukunftsressource".
  • Anfassen erwünscht: Hier probieren Schüler einen thermoelektrischen Generator aus, der Körperwärme dank Nanotechnologie in Strom umwandeln kann.
  • nanoTruck-Expertin Katharina Müller im Gespräch mit Gabriele Kreiß von der Arbeitsagentur Ravensburg.
  • Nano im Dialog: Peter Kaltenmark, Berufsberater bei der Arbeitsagentur, im Gespräch mit Katharina Müller.
  • Ein beheizbarer Lack? Die Nanotechnologie machts möglich! Hier findet ein Schüler gerade heraus, welche Seite der lackierten Fläche die neuartige Beschichtung besitzt.
  • Treffpunkt Nanowelten: Insgesamt 12 Schulklassen nutzten in Ravensburg die Gelegenheit, sich in geführten Ausstellungsrundgängen oder Workshops über die Nanotechnologie zu informieren.
  • Beatrice Weisenburger (m.) von der Arbeitsagentur empfängt die nächste Schulklasse.
  • Nanotechnologie zum Anfassen: die meisten Exponate der Ausstellung sind interaktiv gestaltet - es gab also viel zu entdecken.
  • Ideen für alle Lebensbereiche: Auch in Kleidungsstücken kann schon Nanotechnologie stecken.
  • nanoTruck-Wissenschaftlerin Julia Donauer untersucht mit Schülern des Wirtschaftsgymnasiums Ravensburg eine Probe unter dem Rasterelektronenmikroskop.
  • Im Nano-Zukunftslabor wurde eine Grätzelzelle gebaut. Damit die Elektrolyt-Lösung keine fiesen Flecken hinterlässt, gabs schicke grüne Handschuhe.
  • An den Labortischen herrschte dichtes Gedränge.
  • Ob das wohl funktioniert? nanoTruck-Wissenschaftlerin Julia Donauer hilft gerne weiter.
  • Jetzt wird's spannend! Gleich wird sich zeigen, ob die Grätzelzellen genug Strom produzieren. Katharina Müller muss nur noch die letzten Kabel anschließen.
  • Die Arbeit hat sich gelohnt. Sieben in Reihe geschaltete Solarzellen brachten den Soundchip zum Singen.
  • Oberflächen, die keine Fingerabdrücke mehr anziehen? Dank Nanotechnologie kein Problem mehr, wie diese zwei Schüler erstaunt feststellen.
  • Die zwei nanoTruck-Expertinnen Katharina Müller (l.) und Julia Donauer (r.) hatten bei ihrem Besuch in Ravensburg sichtlich Spaß.
  • Der nanoTruck auf dem Parkplatz der Arbeitsagentur in Ravensburg.
  • Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme eines Haares. Sehr schön zu sehen: Der Durchmesser beträgt ca. 50µm. Um auf einen Nanometer zu gelangen muss man das Haar also noch 50.000 mal teilen.
  • Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme einer Haarwurzel. Im Vergleich zum restlichen Haar fällt deutlich der größere Durchmesser und die veränderte Oberflächenstruktur auf.