Mit dem nanoTruck zu Gast, wo andere Urlaub machen

Auf seiner „März-Tournee“ besuchte der nanoTruck gleich drei Städte, die man üblicherweise mit Erholung und Freizeit in Verbindung bringt. Vom „bekanntesten Kurort Deutschlands“ in Bad Kissingen ging es über St. Georgen im Schwarzwald nach Bad Krozingen im Breisgau.
"Daumen hoch" für den Grätzelzellen-Workshop im nanoTruck. Die Wissenschaftler zeigten ihren jungen Gästen, dass Nanotechnologie nicht kompliziert sein muss."Daumen hoch" für den Grätzelzellen-Workshop im nanoTruck. Die Wissenschaftler zeigten ihren jungen Gästen, dass Nanotechnologie nicht kompliziert sein muss.

Wenn Kompliziertes ganz einfach erscheint

Auf dem Rathausplatz in Bad Kissingen, wo sonst Kurgäste flanieren, zeigte der nanoTruck zwei Tage lang, was es auf dem Gebiet der Nano-Technik Neues gibt. Schülerinnen und Schüler der örtlichen Realschule und des Jack-Steinberger-Gymnasiums nahmen das Informationsangebot dankend an, und meldeten sich zahlreich zu Führungen und Workshops mit der nanoTruck-Science Crew an. Wissenschaftler Marco Kollecker berichtete: „Vielen erscheint die Nanotechnologie zunächst sehr kompliziert. Aber wenn sie dann merken, dass man hier schon mit ganz einfachen Mitteln sehr viel erreichen kann, wächst die Neugier und Begeisterung.“ Davon überzeugten sich in Bad Kissingen auch Oberbürgermeister Kay Blankenburg und Landrat Thomas Bold, die sich besonders beeindruckt zeigten von den Einsatzmöglichkeiten der Nanotechnologie im Bereich der Werkstofftechnik und des Umweltschutzes. Mit Blick auf ein im nanoTruck vorgestelltes Verfahren zur Grundwassersanierung mit Nano-Eisenpartikeln merkte Bold an, dass eine solche Technik bei der Lösung eines ganz ähnlichen Problems im Landkreis eine Menge Geld gespart hätte.

Bunte Haare unterm Mikroskop

Wortwörtlich zum Haare raufen erwies sich der folgende Termin im Schwarzwald – natürlich nur zum Wohle der Wissenschaft. Für die Untersuchung unter dem Rasterelektronenmikroskop stellte nämlich eine Schülerin des St. Georgener Thomas-Strittmatter-Gymnasiums eines ihrer knallrot gefärbten Haare zur Verfügung. Beim Blick auf den angeschlossenen Monitor sorgte das Ergebnis für großes Staunen, denn nicht nur die Struktur des Haares war zu erkennen, auch die Metallpartikel des Färbemittels wurden deutlich sichtbar. Nanowissenschaftler Niklas Kotman freute die Entdeckung: „Wir können mit dem Elektronenmikroskop bei uns im Truck theoretisch Vergrößerungen bis zum 30.000-fachen erreichen. Für Schüler, die im Unterricht bisher nur mit herkömmlichen Lichtmikroskopen gearbeitet haben, ist das eine ganz neue Erfahrung.“

Begeisterung für Naturwissenschaften fördern

Eine Erfahrung, die zwei Tage später auch Schülerinnen und Schüler der Max-Planck-Realschule in Bad Krozingen nutzten, um dabei einige wissenschaftliche Rätsel unter die Lupe zu nehmen. Ein Schüler hatte etwa Pollen mitgebracht, um einmal eine Großaufnahme der winzigen Pflanzenbestandteile zu sehen, die jedes Jahr bei vielen Menschen Heuschnupfen auslösen. Als besonders interessant erwies sich auch der Blick auf eine tote Fliege, bei dem vor allem die hohe Auflösung der für viele Insekten üblichen Facettenaugen für Verblüffung sorgte. Wissenschaftler Marco Kollecker zeigte sich zufrieden mit den Ergebnissen, denn das Ziel der Initiative nanoTruck sei es auch, „den natürlichen Forscherdrang der Jugendlichen zu unterstützen und das Interesse an den Naturwissenschaften zu fördern.“ Erstaunlicherweise seien es dabei häufig die einfachen Experimente, die bei den jungen Besuchern besonders in Erinnerung blieben, so der promovierte Chemiker, der gleich darauf einen echten „Klassiker“ im Repertoire der Nanotechnologie vorführte, den Lotuseffekt. Was man benötigt, um die Blicke auf sich zu ziehen: Ein getrocknetes Blatt einer Lotuspflanze und einen Klecks Ketchup.

Spannende Termine im April

Wer sich selbst davon überzeugen will, der hat im April unter anderem auf der Hannover Messe, beim Tag der Offenen Tür an der Fachhochschule Kaiserslautern und an der Pädagogischen Hochschule in Schwäbisch Gmünd Gelegenheit dazu. Weitere Informationen zum Tourplan des nanoTrucks findet man hier: http://www.nanotruck.de/tour/standorte.html

  • Fügt sich gut ins Stadtbild ein: Der nanoTruck auf dem historischen Marktplatz in Bad Kissingen.
  • nanoTruck-Wissenschaftler Dr. Marco Kollecker (links) erklärt einer aufmerksamen Schülergruppe den Aufbau der Grätzelzelle.
  • Gleich darauf schritten die Nachwuchsforscher selbst zur Tat und bauten in Zweierteams jeweils eine eigene Farbstoffsolarzelle auf Nano-Basis.
  • Bad Kissingens Oberbürgermeister Kay Blankenburg (rechts) informierte sich bei nanoTruck-Experte Alexander Heusel aus erster Hand über die vielfältigen Einsatzgebiete der Nanotechnologie.
  • Alexander Heusel demonstriert einen modernen Dämmstoff, dem selbst der heiße Gasbrenner nichts anhaben kann.
  • Landrat Thomas Bold (rechts) im Gespräch mit Wissenschaftler Marco Kollecker über den Einsatz der Nanotechnologie im Energie- und Umweltsektor.
  • Schülerin Rebecca vom Thomas-Strittmatter-Gymnasium in St. Georgen bereitet zusammen mit Nanowissenschaftler Niklas Kotman die Haarprobe für die Untersuchung unter dem Elektronenmikroskop vor.
  • Gespannt warten die Nachwuchsforscherinnen auf das Ergebnis der Analyse.
  • Auch an der Max-Planck-Realschule in Bad Krozingen kam das Rasterelektronenmikroskop (REM) zum Einsatz. Hier wird gerade die Hochvakuum-Kammer mit einer Probe beladen.
  • Gespanntes Warten, bevor es mit der Untersuchung losgeht.
  • Von wegen "langweilige Naturwissenschaften": Der nanoTruck bietet mit seiner interaktiven Ausstellung eine willkommene Abwechslung zum Schulalltag.
  • Im nanoTruck gibt es mit über 80 Exponaten viel zu entdecken.
  • Mit einfachen Mitteln lassen sich in der Nanotechnologie verblüffende Effekte zeigen. Hier sorgt ein Ferrofluid-Stifthalter für großes Staunen.
  • Senkt man den Stift in die Halterung, wird ein Magnet nach unten gedrückt, der wiederum das Ferrofluid anzieht. Es bildet sich die bekannte Rosensweig-Struktur.