„Ich denk‘ dann mal nano!“

Es ist geschafft! Die drei Filme zur Nanotechnologie sind auf dem kleinen Stick gespeichert. Hinter den zwölf Schülerinnen und Schülern des Gießener Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums (LLG), liegt ein hartes Stück Arbeit. Rund neun Stunden waren sie in drei Teams an diesem Montag unterwegs, um Interviews zu führen, Schnittbilder zu sammeln und die Filme zu vertonen. Immer mit dabei: Mitarbeiter des Medienprojektzentrums Offener Kanal Gießen und Betreuungslehrer Dieter Weichel. Dieser hatte sofort zugesagt, als die BMBF-Initiative nanoTruck ihn im November einlud, mit Schülerinnen und Schülern an der Premiere des Workshops „Ich denk‘ dann mal nano!“ teilzunehmen. Den Jugendlichen bietet sich dabei die Chance, das Thema „Nanotechnologie“ als Wissenschaftsjournalisten, Reporter und Kameraleute auf eine ganz neue Weise zu ergründen.
Laura, Katharina und Vahdet stellen die Kamera ein, bevor das Interview startet.Laura, Katharina und Vahdet stellen die Kamera ein, bevor das Interview startet.

An diesem kalten Januarmorgen treffen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Schülerworkshops pünktlich um 9 Uhr am nanoTruck ein, der anlässlich der Bildungsmesse „Chance 2012“ auf dem Freigelände der Messe steht. Die projektbegleitenden Wissenschaftler Julia Donauer und Alexander Heusel haben im Truck bereits eingeheizt und erwarten ihre Gäste. Nach der Vorstellungsrunde teilen sich die Teams auf. Sie haben sich die Themen „Frauen in der Nanotechnologie“, „Chancen und Risiken der Nanotechnologie“ und „Ausbildungs- und Karrierewege in die Nanotechnologie“ für ihre Beiträge ausgesucht. Eine kurze Lagebesprechung, die Sichtung der möglichen Hintergründe für Aufnahmen und schon kommt die erste Interviewpartnerin.

Es ist Kerstin Sann, Doktorandin am Physikalisch-Chemischen Institut der Justus-Liebig-Universität Gießen (JUL). Nach einem Vorgespräch im Obergeschoss des Trucks postieren Sophie, Tom, Marius und Jan die sympathische, junge Wissenschaftlerin vor einen großen Monitor. Darauf sind filigrane Motive aus dem Wettbewerb „nano+art“ des vom BMBF unterstützten Netzwerks zur Förderung von Frauen in der Nanotechnologie, nano4women, zu sehen. Jens Friedrich, einer der medienpädagogischen Begleiter vom Offenen Kanal, hilft beim Einrichten der Kamera und Kerstin Sann erzählt von ihrem eigenen Karriereweg in die Naturwissenschaft und wie sie von ihrer Familie unterstützt wurde. Auch die wichtige Information über Förderprogramme vergisst sie nicht zu erwähnen, damit die jungen Frauen wissen, mit welcher Unterstützung sie rechnen können, wenn sie einen MINT-Beruf ergreifen wollen.

Währenddessen suchen Sophie, Alexander, Niklas und Max Umfrageteilnehmer auf dem Gelände. Doch so einfach ist das nicht. Die zumeist jungen Messebesucher wollen lieber nicht ins Fernsehen. Das Team ist ratlos. Schließlich kann Alexander, der den Beitrag moderiert, einen jungen Mann zur Teilnahme überreden. „Was ist Nanotechnologie?“ lautet seine Frage. Der junge Mann antwortet spontan: „Ich glaub‘, das sind so kleine Teilchen.“ Mehr Details erfährt Alexander dann von Prof. Martin Eickhoff. Der Physiker forscht an der JUL zur Nanotechnologie und hat sich für das Thema „Chancen und Risiken“ zum Interview bereiterklärt. Niklas, der die Kamera führt, regt an, einen Teil des Interviews zu wiederholen. Die Beleuchtung war nicht optimal. Wie gut, dass der Professor viel Zeit mitgebracht hat.

Auch das Untergeschoss des Trucks dient als Aufnahmestudio. Team 3 mit Katharina, Laura, Vahdet und Stella haben sich bereits an verschiedenen Messeständen über deren Ausbildungsangebot informiert. Nun wollen sie von Alexander Heusel wissen, welche Ausbildungs- und Studienwege in die Nanotechnologie führen. Während der Aufnahme kommen immer wieder Besucher in den Truck – es fällt schwer, sich zu konzentrieren.

Gegen 13 Uhr ist alles im Kasten – glauben zumindest die Workshopper. Denn nun geht es ins Schnittstudio des Offenen Kanals, wo die Aufnahmen in den Computer eingespielt werden. Eine Pizza-Pause bringt Energie zurück. Frisch gestärkt sichten die Schülerinnen und Schüler das Material, mit vielen Aha-Effekten bei allen Gruppen. Denn so genannte Schnittbilder, also Aufnahmen mit denen man zu einem Interview hinführt bzw. die man unter eine Moderation legt, sind Mangelware. „Ich hätte nicht gedacht, dass man so viel filmen muss, um am Ende genügend Material für einen Beitrag von nur drei Minuten zu haben“, ist Sophie vom Team „Chancen und Risiken“ überrascht. Auch rätselt ihr Team, wie die ganzen Aussagen und Statements zusammen gehen sollen. Darf man ein Interview auseinanderschneiden? Wie schaut der Aufbau unseres Beitrages überhaupt aus? Können wir ihn genauso umsetzen, wie im Storyboard geplant? Warum haben wir vergessen Fragen präziser zu stellen? Die gute Stimmung wechselt mit Gereiztheit. Da greift Betreuungslehrer Weichel ein. Er ist beim LLG u.a. für die Medienarbeit zuständig. Geschickt schafft er es über Fragestellungen Max, Alexander, Niklas und Sophie wieder auf die Spur zu helfen. Sie schreiben das Storyboard um und jetzt kann geschnitten werden.

Auch beim Team „Frauen in der Nanotechnologie“ liegt man in den Endzügen. Marius darf den Moderationstext einsprechen. Dazu baut Jens Friedrich vor ihm eine portable Sprecherkabine im Miniformat auf. Routiniert und mit ruhiger Stimme liest er die Texte ins Mikrofon. So, jetzt nur noch zusammenschneiden, die Lautstärken angleichen, den Abspann einfügen und fertig ist der Beitrag – stolze 3:18 Minuten sind zusammengekommen.

Gegen 19 Uhr lehnt sich Vahdet von Team 3 entspannt im Stuhl zurück. Er hat den Beitrag fertig geschnitten und ist mit dem Ergebnis zufrieden. Sein Fazit: „Ich fand es heute sehr interessant und hab‘ viel über die Medienarbeit erfahren. Da ich mich aber mehr für Naturwissenschaften interessiere, denke ich, dass ich später mal in der Nanotechnologie und nicht in den Medien landen werde.“ Und dann muss er schnell nach Hause. Schließlich müssen selbst an einem so außergewöhnlichen Tag wie heute noch Hausaufgaben gemacht werden.

Die Videos sind auf der nanoTruck-Facebook-Seite sowie auf YouTube zu finden.

  • Potenzielle Interviewpartner gab es auf der Ausbildungsmesse "Chance 2012" genug - doch nur die wenigsten trauten sich vor die Kamera.
  • Wo stehen wir, wie machen wir weiter? Teambesprechungen im Obergeschoss des nanoTrucks
  • Stand mit Rat und Tat seinen Schülern zur Seite: Betreuungslehrer Dieter Weichel (unten rechts).
  • Katharina und Laura besprechen mit Alexander Heusel, dem projektbegleitenden Wissenschaftler, das anstehende Interview.
  • Und dann geht das Interview mit Alexander Heusel los. Stella  kümmert sich um den richtigen Ton.
  • Kerstin Sann im Interview vor der "nano+art"-Präsentation
  • Ist auch alles im Bild? Vahdet und sein Team kontrollieren die Kameraeinstellung.
  • Fehlt uns noch eine Antwort von Kerstin Sann? Tom, Jan, Marius und Sophie überlegen.
  • Sicher ist sicher - Marius, Jan und Sophie drehen eine Frage noch mal.
  • Niklas und Sophie haben im Team "Chancen und Risiken" die Technik im Griff.
  • Und los: Jens Friedrich vom Medienprojektzentrum Offener Kanal Gießen gibt das Zeichen zum Interview mit Julia Donauer, projektbegleitende Wissenschaftlerin im nanoTruck.
  • Da rauchen die Köpfe - Christian Landig vom Offenen Kanal unterstützt sein Schülerteam mit Tipps.