„Diese Berufe machen verdammt viel Spaß!“

Die Alsfelder Premiere begann mit einem Herbsttag wie aus dem Bilderbuch. Eine hauchdünne Frostschicht lag über den mächtigen Flanken des nanoTrucks, ein rosa Licht fiel auf die noch ruhige Albert-Schweitzer-Schule (ASS). Die Szenerie wirkte wie die „Ruhe vor dem Sturm“. Es war Tag eins der nanoTruck-Premiere im mittelhessischen Vogelsbergkreis Mitte November.
Dr. Helge Brauns Motivation trug Früchte: Romina beim Experimentieren mit dem Rasterelektronenmikroskop.Dr. Helge Brauns Motivation trug Früchte: Romina (links) beim Experimentieren mit dem Rasterelektronenmikroskop.

Vom Parlamentarischen Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Dr. Helge Braun, MdB, als Fixtermin in ein beeindruckendes Besuchsprogramm durch den Wahlkreis aufgenommen, und vom Fachbereichsleiter für Naturwissenschaften und Technik an der ASS, Mario Cimiotti, initiiert, stand der nanoTruck-Einsatz ganz im Zeichen der Motivation von Schülerinnen und Schülern zu einem nachhaltigen Flirt mit naturwissenschaftlich-technischen Karriereperspektiven.

Wie gut das funktionierte, deutete sich bereits beim Besuch des Biologieleistungskurses von Falk Miron an. Doch als Mario Cimiottis Physikerinnen und Physiker der „Qualifizierungsphase 1“ zum Nano-Workshop anrückten, erhielt einer der berühmtesten Sätze der Filmgeschichte, „Ich glaube, dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft“, aus Michael Curtiz‘ „Casablanca“ eine ganz neue Bedeutung. So antwortete die sechzehnjährige Romina auf die Frage, warum sie Physik als Leistungskurs gewählt habe, dass sie grundsätzlich gerne „an Sachen knobelt“. Ihr besonderes Interesse an der Nanotechnologie erklärte sie danach so: „Mir neue Entwicklungen zu erschließen oder sie mir wie hier ja auch (Anm.: im nanoTruck) selbst zu erarbeiten macht mir generell Spaß. Die Nanotechnologie ist etwas Neues und viele Wissenschaftler arbeiten daran – die kommt bald groß raus, denke ich!“

Romina und ihr „Interviewpartner“ Micha mit der spannenden LK-Kombination Physik und Musik („Die habe ich gewählt, weil mir Physik schon immer Spaß gemacht hat und ich nebenher als Veranstaltungstechniker arbeite“) standen mit zwölf weiteren Schülerinnen und Schülern im Mittelpunkt eines Workshops, der Einblick gibt in die Arbeit von Nano-Forschern mit dem Elektronenmikroskop. Mit dabei auch Helge Braun, der großes Interesse am Mitexperimentieren zeigte und spontan den fehlenden fünften „Mann“ im Workshop-Team 3 ersetzte. Braun, der in seiner Begrüßung einmal mehr leidenschaftlich dafür warb, den „Respekt“ vor den Naturwissenschaften abzulegen und sich zum Beispiel für ein Studium der Physik mit „noch vielen freien Studienplätzen überall in Deutschland, großer Jobsicherheit, guten Aufstiegsperspektiven innerhalb der Berufe und Verdienstaussichten“ zu interessieren, brach eine Lanze für einen so „erfüllenden und spannenden Arbeitsbereich“ wie die Nanotechnologie.

„Einen Physikleistungskurs zu motivieren ist vielleicht nicht die allergrößte Aufgabe,“ sagte der studierte Humanmediziner mit Blick auf die Anstrengungen seines Ministeriums, den Fachkräftemangel in Deutschland insbesondere im Bereich der Ingenieurs- und Naturwissenschaften dauerhaft zu beheben, „aber man täusche sich nicht! Denn viele, die sich in der Schule für die Naturwissenschaften interessieren, scheuen sich am Ende doch vor dem Studium.“ Insbesondere die Mädchen, die das bessere Abitur machten, würden im Gegensatz zu den Jungs dann aber viel seltener die vermeintlich schwierigeren Fächer der Ingenieurswissenschaften wählen. „Da müssen wir auch noch ran,“ schmunzelte Helge Braun und krempelte zum Start des Rasterelektronenmikroskop-Workshops mit Romina und ihren drei Mitschülern symbolisch die Ärmel hoch.

Das Fazit unter den fast zweistündigen „Nano-Marathon“, der mit einem launigen Einführungsvortrag von nanoTruck-Wissenschaftler Alexander Heusel begonnen hatte, lieferte Musikfan Micha nach intensiven Gesprächen und konzentrierten Untersuchungen der Oberflächenstrukturen biologischer sowie anorganischer Materialien. In die Vakuumkammer des Mikroskops hatten die „Nachwuchsforscher“ dabei beispielsweise  ein Spinnenbein, ein Prachtexemplar von Rominas schönem langem Haar und einen Mikrochip gelegt. Auf die Frage, was bei ihm nach seinem Ausflug in die „Nano“-Mikroskopie und seinen Einblicken in die Arbeit von Medizinern und Biowissenschaftlern „hängen geblieben“ ist, , musste Micha nicht lange nachdenken:

„Es ist auf jeden Fall spannend, weil es eine Materie ist, die man normal so nicht versteht. Man weiß, das gibt es, und hier wurde das alles anschaulich gemacht. Vor allem das Beispiel mit den Legosteinen (Anm.: Beispiel zur Selbstorganisation von Nanopartikeln aus Alexander Heusels Einführungsvortrag zu den Grundlagen der Nanotechnologie). Das war zwar sehr vereinfacht dargestellt, aber man konnte sich trotzdem vorstellen, was gemeint ist. Deswegen fand ich das sehr interessant!“

Sollte also Dr. Brauns motivierender Apell „Diese Berufe machen verdammt viel Spaß!“ auf fruchtbaren Boden gefallen sein? Am Ende des Tages sah es ganz danach aus!

  • Fachbereichsleiter Mario Cimiotti (rechts) freute sich, Dr. Helge Braun an der Albert-Schweitzer-Schule in Alsfeld begrüßen zu dürfen.
  • Als erste erkundeten die Schülerinnen und Schüler des Biologieleistungskurses von Falk Miron (2.v.r.) die Ausstellung im nanoTruck.
  • „Von kleinen Strukturen zum großen Bild“: Die Schüler verfolgten konzentriert den Vortrag von Dr. Braun.
  • „Da müssen wir auch noch ran,“ so der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung in Bezug auf die geringe Anzahl an Frauen in den Natur- und Ingenieurswissenschaften.
  • nanoTruck-Wissenschaftler Alexander Heusel weckte mit einem launigen Einführungsvortrag zu Beginn des Workshops die Neugier der „Nachwuchsforscher“.
  • Kaum vorstellbar: Sooo klein ist „nano“! Kein Wunder, dass der Begriff aus dem Griechischen stammt und „Zwerg“ bedeutet.
  • Auch Dr. Braun verfolgte gespannt den Vortrag des Nano-Experten Heusel.
  • „Diese Berufe machen verdammt viel Spaß!“ lautet eine der zentralen Botschaften, die Dr. Braun im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern vermittelte.
  • Großer Andrang: Obwohl die Türen des nanoTrucks während eines laufenden Workshops meist geschlossen sind, versuchten immer wieder Neugierige einen Blick hinein zu werfen.
  • Von Innen half eine Mitschülerin, die Tür zu öffnen…
  • „Was ist denn hier los?“ Kein Wunder, dass der nanoTruck die Blicke auf sich zieht. Mit seinem imposanten Erscheinungsbild schafft das doppelstöckige Wissenschaftsmobil der Nanotechnologie eine attraktive Bühne.
  • Vor der Untersuchung in der Vakuumkammer des Rasterelektronenmikroskops justieren Romina (rechts) und Micha (mitte) einen Mikrochip auf dem Probenhalter.
  • Hightech zum Anfassen und Mitmachen: Unter der Anleitung der beiden nanoTruck-Experten (hier Dr. Marco Kollecker, rechts) durfte jeder auch einmal selbst „Hand anlegen“.
  • Für die örtliche Presse waren Linda Buchhammer von der Oberhessischen Zeitung und…
  • … Joachim Legatis von der Alsfelder Allgemeinen vor Ort, um über den nanoTruck-Besuch an der Albert-Schweitzer-Schule zu berichten.
  • Als Gastgeberin ließ es sich auch Schulleiterin Elisabeth Hillebrand (mitte) nicht nehmen, den Workshop zu begleiten. Im Gespräch mit Dr. Braun, Mario Cimiotti (rechts) und Dr. Andreas Jungbluth (wissenschaftlicher Leiter der Initiative nanoTruck, 2.v.r.) erhielt sie Informationen aus erster Hand.
  • Bei einer Technologie, die sich mit kleinsten Teilchen und Strukturen befasst muss man wie Micha schon genau hinsehen.
  • Sie haben sich die Mittagspause redlich verdient: Der Physikleistungskurs der ASS nach erfolgreich beendetem Workshop im nanoTruck.
  • Auch während der weiteren Veranstaltungen war der nanoTruck in Alsfeld gut besucht.
  • Exponate zum Anfassen und Ausprobieren, wohin man sieht. So lässt sich auch anspruchsvolle Wissenschaft und Technik leicht vermitteln.
  • Viel Wissenswertes und ein Quiz zum Knobeln bieten die zahlreichen Touchscreens in beiden Stockwerken.
  • Zieht die Blicke an, wie der Elektromagnet das Ferrofluid. Das gleichnamige Exponat mit der magnetischen Flüssigkeit ist immer wieder eines der meistgenutzten Ausstellungstücke.
  • Faszinierendes aus dem Mikrokosmos: Unter dem Elektronenmikroskop offenbart sich die komplexe Oberflächenstruktur eines Spinnenbeins.
  • Auf Messers Schneide: Diese Klinge bräuchte mal wieder einen neuen Schliff.
  • Vielen Dank an die Spenderin: Rominas Haar sieht auch bei extremer Vergrößerung noch top gepflegt aus.