Zwischen Schwarzwald und Saarbrücken: vier Mal nanoTruck, vier Mal anders

„Ein Lkw voller Wissenschaft" mit „megainteressanten Mini-Teilchen": mit diesen und anderen Worten begleitete die Lokalpresse den nanoTruck auf seinen drei Stationen im Schwarzwald. Danach ging es weiter in die saarländische Landeshauptstadt.
Wieso, weshalb, warum? Bereits die Jüngsten wollten in Lörrach wissen, was die Nanotechnologie so alles kann.

Den Tour-Anfang machte die ehemalige Klosterstadt St. Georgen, wo der nanoTruck zum ersten Mal am Thomas-Strittmatter-Gymnasium „gastierte". Als die beiden engagierten Physiklehrer Rainer Neff und Jörg Zimmermann, die an ihrer Schule NwT mit „Exkursen" zur Nanotechnologie unterrichten, vom nanoTruck erfahren hatten, war ihnen sofort klar: Den holen wir zu uns! Dementsprechend groß war das Interesse von rund 100 Thomas-Strittmatter-Gymnasiasten, die sich lebhaft am Mitmach-Programm im nanoTruck beteiligten. Bei einem von insgesamt vier Schüler-Workshops blickte ihnen „@nano-work" sogar St. Georgens Bürgermeister Michael Rieger über die Schultern. Die Schüler präsentierten ihm und Gästen vom Technologiezentrum St. Georgen und lokalen Unternehmen stolz ihre selbstgebaute nanokristalline Farbstoffsolarzelle - das Ergebnis aus nur 90 Minuten praktischer Arbeit im Labor. „So ein Praktikum bietet viel Abwechslung zum Schulalltag und ist auch effektiver", freute sich beispielsweise Dennis Moser aus der 12. Klasse nach seinem erfolgreich absolvierten Nano-Praktikum.

„Praxis pur“ gab es auch beim nächsten Halt in Lörrach. Als Gastgeberin bot das Schülerforschungszentrum „phaenovum“ mit dem nanoTruck ein geeignetes Experimentierfeld, auf dem Kinder und Jugendliche auf eigene Faust erkunden konnten, was es mit der Querschnittstechnologie auf sich hat. Das passte perfekt zum Leitgedanken des Zentrums, talentierten Jugendlichen die Gelegenheit zu geben, sich unabhängig vom Lehrplan unvoreingenommen mit einem naturwissenschaftlich-technischen Thema zu beschäftigen und dabei über den „Tellerrand“ der einzelnen Disziplinen zu blicken. Ein besonderer Anlass führte den nanoTruck auf seinem Weg ins Saarland über Schopfheim. Die dortige Gewerbe Akademie der Handwerkskammer Freiburg feierte Anfang Mai ihr 25-jähriges Bestehen. Auszubildende aus 22 handwerklichen Berufen und zahlreiche Jubiläumsgäste nutzten dabei das Informations- und Mitmachangebot im nanoTruck. Wie man in der Nanotechnologie auch ohne ein Studium karrieretechnisch „Fuß fassen“ kann, war zentrales Thema des Jobtalks und wurde von den Schülern der Berufsakademie anschließend noch heiß diskutiert. Im Rahmen der Festveranstaltung schlossen sich dann Vertreter aus Lokal-Politik und Wirtschaft, unter ihnen der Bürgermeister der Stadt Schopfheim, Christof Nitz, und Landrat Walter Schneider einem Rundgang durch die interaktive Ausstellung im nanoTruck an und ließen sich Ziel und Zweck der bundesweiten Initiative ausführlich erläutern.

Nicht nur zuschauen, sondern selbst Hand anlegen an die Nanotechnologie lautete augenscheinlich das Motto von Peter Hauptmann, Staatssekretär im saarländischen Wirtschaftsministerium. Zusammen mit Dr. Eva Backes-Miller vom Bildungsministerium stattete er dem nanoTruck während seines Tourstopps vor traumhafter Kulisse auf dem Schlossplatz im Herzen Saarbrückens einen ausgedehnten Besuch ab. Der Politiker schlüpfte spontan in einen Laborkittel und zog grüne Gummihandschuhe über, um Oberstufenschülern zweier Saarbrückener Gymnasien vorbildlich bei ihren ersten Praktikumsschritten zum Bau einer sogenannten „Grätzelzelle" zu assistieren. Wie wichtig es ist, Jugendlichen die Nanotechnologie anschaulich zu vermitteln, zeigte auch die mittlerweile siebte Auflage des Fortbildungsformats „Train the trainer" in Kooperation mit Schulen ans Netz e.V., das nahezu ausgebucht war. 14 Lehrkräfte aus verschiedenen MINT-Disziplinen nutzten den Intensiv-Workshop und das persönliche Gespräch mit den tourbegleitenden Wissenschaftlern Marco Kollecker und Ralf Frese, um praktische Anregungen für einen spannenden und verständlichen Unterricht aus dem nanoTruck mitzunehmen.

Offener Dialog war auch gefordert beim Diskussions- und Informationsabend zum Thema „Verbessert Nanotechnologie unser Leben oder macht sie uns krank?" des Vereins NanoBioNet, der zum Ausklang des ersten nanoTruck-Einsatztages im Saarbrückener VHS-Zentrum am Schlossplatz stattfand. Experten aus Ministerien, Verbraucherverbänden und Bildungseinrichtungen diskutierten bei dieser Gelegenheit u.a. den Umgang mit Nanopartikeln in Nahrungsmitteln und Kosmetikprodukten. Monika Büning vom Verbraucherverband Bundeszentrale e.V. sprach bei ihrem Vortrag deutliche Worte. Der Verbraucher sei oft überfordert, weil er nicht ausreichend informiert ist. Daher sei es umso wichtiger, ihm das nötige Informationsmaterial zugänglich zu machen. Als Informations- und Dialogplattform für die breite Öffentlichkeit sei der nanoTruck hierfür ein gelungenes Beispiel.

  • Laborkittel und Gummihandschuhe an und los geht´s: Staatssekretär im saarländischen Wirtschaftsministerium, Peter Hauptmann, legte spontan "Hand an die Nano-Wissenschaft".
  • Die Gäste vom Technologiezentrum St. Georgen und lokalen Unternehmen ließen sich im nanoTruck die "Winzlingstechnologie" an plastischen Beispielen wie dem Lotuseffekt erklären.
  • Katharina Müller, projektbegleitende Wissenschaftlerin im nanoTruck, im Gespräch mit einer Schülergruppe während des Lörrach-Besuchs.
  • ... und der nanoTruck mittendrin. Die Jubilläumsgäste, unter ihnen auch Schopfheims Bürgermeister Christof Nitz (hinten links), nahmen das Angebot von Gastgeber Arno Baumann (ganz vorne), Leiter der Gewerbe Akademie, gerne an, auf eine Stipp-Visite in den nanoTruck zu kommen. Dort demonstrierte ihnen Ralf Frese, wie sich Ketchup auf einer nanobeschichteten Herrenkrawatte verhält.
  • Nach ereignisreichen Einsatztagen in St. Georgen, Lörrach und Schopfheim war der nanoTruck zwei Tage lang in der saarländischen Landeshauptstadt zu Gast.
  • Achtklässler vom Saarbrückener Ludwigsgymnasium beschichten eine von zwei Glasplättchen - die spätere Plus-Elektrode der Solarzelle - mit Graphit. Also schwärzen sie mit einem Bleistift ein.
  • wenn die mit Hibiskusblütentee eingefärbte Minus-Elektrode so schnell wie möglich trocken werden muss.
  • die doppelstöckige Erlebniswelt live und in voller Größe kennenzulernen, ließ sich Peter Hauptmann, Staatssekretär im saarländischen Wirschaftsministerium (i.d. Mitte der Treppe, mit weißem Laborkittel) nicht nehmen, und kam zusammen mit Dr. Eva Backes-Miller vom Bildungsministerium in den nanoTruck.
  • So legt frau also die beiden Glasplättchen aufeinander. Der Pluspol ist mit einem roten Kreuz markiert.
  • Diese Flüssigkeit sorgt dafür, dass Elektronen nachgeliefert werden und so der Stromfluss in der Grätzelzelle aufrecht erhalten bleibt.
  • Wieviel Millivolt die in Reihe geschalteten Farbstoffsolarzellen dieser Mädchengruppe wohl auf den Multimeter bringen werden?
  • Zusammen mit ihrer Lehrerin Anke Steinberger und Kollegin warteten die Achtklässler gespannt auf ihre Praktikumsergebnisse. Und wurden mit einem "Happy Birthday" belohnt.
  • Beim "Train the trainer"-Worhshop am Tag zuvor konnten bereits Lehrerinnen und Lehrer aus Saarbrücken und Umgebung ihr Nano-Wissen unter Beweis stellen.