„Nordisch by nano“

„Fettes Brot“ kamen leider nicht, aber 2.000 andere wollten bei den Tourstopps des nanoTrucks in Brake und Bremerhaven Mitte August live dabei sein. Unter ihnen auch viele Reporterinnen und Reporter, die den nanoTruck-Besuch im Nordwesten der Republik nutzten, um ihren Lesern, Hörern und Sehern die Phänomene und Anwendungspotenziale der Nanotechnologie näherzubringen. Im niedersächsischen Brake beobachtete Radio Bremen während eines Nano-Workshops die persönlichen Aha-Erlebnisse von Schülerinnen und Schülern.
Jetzt gehts gleich los: Gespannt hören die 13. Klässler/-innen vom Braker Gymnasium die einleitenden Worte zum Workshop "Fünf Grätzelzellen für ein Happy Birthday".

Wie man nämlich mit einfachsten Mitteln, zwei Glasplättchen, Hibiskusblütentee und Büroklammern, Strom erzeugen kann, und dass da „nano" drinsteckt. Wo? Im leitfähigen Titandioxid, das eines der beiden Glasplättchen als weißliche Schicht bedeckt. Obwohl diese Schicht dem bloßen Auge glatt erscheint, ist sie im Nanomaßstab betrachtet rau. Denn sie besteht aus vielen winzigen Kristallen, die im Durchschnitt nur 20 Nanometer groß sind. Das ist rund 2.500 Mal kleiner als ein menschliches Haar dick ist. Das Spannende daran: Weil sie „nano-rau“ ist, wird die Oberfläche der Titandioxid-Schicht rund 2.000 Mal größer als wäre sie spiegelglatt. Damit bindet sie auch viel mehr Pflanzenfarbstoff aus dem Hibiskusblütentee, der bei Belichtung elektrisch geladene Teilchen abgibt. Foliendünne und sogar biegsame Solarzellen – das bietet völlig neue Möglichkeiten im Bereich der Energiegewinnung. „Man stellt sich zum Beispiel vor, dass man diese Folie auf Zelten aufbringt, und so beim Campen die Akkus des MP3-Players oder des Handys aufladen kann“, machte Chemiker Marco Kollecker den Braker Gymnasiaten deutlich - ein vollkommen neues Kapitel für die Dreizehntklässler: Neben der Erkenntnis, dass man mit „Nano“ Strom gewinnen kann, waren die Jugendlichen von den unterschiedlichsten Einsatzbereichen dieser Technologie, ob in der Freizeit oder in der Medizin, überrascht.

Im nanoTruck hätten sie zusätzlich eine ganz wichtige Botschaft mit auf den Weg bekommen, so Physiklehrer Dieter Harde. Gerade wenn es um das Thema potenzielle Risiken einer Technologie ginge, müssten seine Schüler auch begreifen, dass es immer gelte Pro und Kontra abzuwägen. Das sei ein wichtiges Lernziel, welches den Fragen der Braker Gymnasiasten, ob Nanopartikel in Lebensmitteln gefährlich sind, nach zu urteilen auch erreicht wurde.

Von Brake ging es nach Bremerhaven: Dort machte der nanoTruck vor malerischer Kulisse am Hafen der Seestadt Station. Passend zum Motto „Anfassen erwünscht“ von „Gastgeberin“ PHÄNOMENTA, einer interaktiven Erlebnisausstellung, nahmen an beiden Veranstaltungstagen rund 1.300 Neu- und Wissbegierige Kurs auf den Science-Truck. Unter ihnen auch ein Reporter von CENTER TV Bremen, dessen 5-minütiger Beitrag über die Initiative zur Nanotechnologie gleich an „Tag eins“ des Bremerhaven-Einsatzes in der Sendung „Weserzeit“ ausgestrahlt wurde. Naturgemäß länger vorplanen als der Reporter musste Biologielehrerin Angelika Tuchtenhagen von der Johann-Gutenberg-Schule ihren Besuch im nanoTruck. Sie nahm den nanoTruck-Stopp zum Anlass, eine Gruppe Fünftklässler auf die nächste Runde des Wettbewerbs „Jugend forscht“ einzustimmen. Denn bei "Jugend forscht" war ihre Schule in den vergangenen Jahren immer sehr erfolgreich dabei - zuletzt mit drei ersten und einem zweiten Platz im Landeswettbewerb Bremen.

„Wir machen jedes Jahr nach den Sommerferien eine Art „Jugend forscht“-Kick-off Veranstaltung. Damit fällt der offizielle Startschuss für unsere Vorbereitungen: In Arbeitsgruppen suchen wir gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen nach möglichen Fragestellungen, die sie besonders interessieren könnten“. Das Problem dabei sei, so Angelika Tuchtenhagen, dass gerade ihre jüngeren „Schützlinge“ auf Naturwissenschaft und Technik konzentriert seien, von der Ausdifferenzierung in die Fächer Biologie, Physik und Chemie jedoch noch wenig Ahnung hätten. „Der nanoTruck-Besuch war daher für uns alle eine tolle Sache, gerade weil die Kinder ein Gefühl dafür bekommen haben, wo und wie Naturwissenschaft und Technik im Alltag eine Rolle spielt." Für ein besonders laut hörbares „Wow“ sorgte die Präsentation des Lotus-Effekts von nanoTruck-Wissenschaftlerin Katharina Müller: „Das hat sie wunderbar gemacht, meine Schüler haben danach noch viel darüber gesprochen“, freute sich Angelika Tuchtenhagen. Der Motivationsschub für einen erfolgreichen „Jugend forscht“-Wettbewerb 2011 war somit gegeben. Und man darf gespannt sein, ob auch ein Nano-Projekt dabei sein wird. 

  • Learning by doing: Die Braker Jugendlichen beschichten eines der beiden Glasplättchen mit Graphit. Damit die Elektronen aus der Zelle "herauskönnen" und als elektrischer Strom zur Verfügung stehen, ist Graphit als "Beschleuniger" wichtig.
  • Wie Licht zu Strom wird: Das mit Titandioxid beschichtete Glasplättchen (Minus-Elektrode) wird in Hibiskusblütentee "gebadet". Erst im Zusammenspiel mit dem Farbstoff des Tees können die Titandioxid-Nanokristalle Licht in elektrischen Strom umwandeln.
  • Und wie gefällt es euch im nanoTruck?: Radio Bremen-Reporter Axel Neuber fragt bei den Jugendlichen nach.
  • Und jetzt noch "einen Schuss" Elektrolyt dazu, dann müssten sie eigentlich fließen, die Elektronen.
  • Raus ans Licht und sehen, ob die Sonne die Grätzelzelle genügend auflädt, um den Soundchip einer Glückwunschkarte zum Spielen zu bekommen.
  • Gar nicht so einfach die einzelnen Solarzellen in Reihe zu schalten. Aber die Braker Gymnasiasten haben den Dreh schnell raus.
  • Deutlich hörbar erklingt ein Happy Birthday. Axel Neuber fängt die bekannte Melodie mit seinem Mikro ein.
  • Interview mit Physiklehrer Dieter Harde. Im nanoTruck hätten seine Schüler viel dazu gelernt, und das nicht nur fachbezogen.
  • Nächster Halt: Bremerhaven: Von Brake ging es nach Bremerhaven. Die Erlebnisausstellung PHÄNOMENTA hatte den nanoTruck in die Seestadt eingeladen.
  • Aha-Effekt: PHÄNOMENTA-Leiter Ralf Seidel und Praktikant Stefan Hempel lassen sich von nanoTruck-Wissenschaftlerin Katharina Müller den Lotuseffekt vorführen.
  • Center TV-Reporter Christian Walter nahm sich viel Zeit zur Erkundung der Ziele und Inhalte der BMBF-Initiative nanoTruck.
  • Print-Kollegin Flora Schneider von der Nordsee Zeitung stellte den Besuchern ihre Frage des Tages: "Was interessiert Sie an Nanotechnologie und wie finden Sie den nanoTruck?".
  • Klein, winzig, nano: Die Fünftklässler vom Johann-Gutenberg-Gymnasium waren sichtlich "baff", als Katharina Müller ihnen den "Zwergenkosmos" veranschaulichte.
  • ... und ihnen erklärte, wie man mit "flüssigem Eisen" Tumore bekämpfen kann.
  • Was der nanoTruck sonst noch alles zu bieten hat, das erkundeten die "Kids" dann auf eigene Faust.
  • Die Mädchen...
  • genauso wie die Jungs!
  • Genau informieren wollte sich auch dieser potenzielle "Jugend-forscht"-Kandidat und versorgte sich mit ausreichend Infomaterial über die Nanotechnologie.
  • Das Rastertunnelmikroskop im nanoTruck zog viele interessierte Blicke auf sich.
  • Schau´mal, da steckt im Auto überall "Nano" drin: Am Ende kannten sich die quirligen Gutenberg-Schüler so prima aus, dass sie ihr Wissen gleich weitergaben.