Die ersten drei Monate „Tour de Nano“ 2010 – ein Etappenrückblick

Gleich zum Start ins neue Tourjahr 2010 hieß es im Nano-Mobil des BMBF „Full-Truck“. Ende Januar war es der Einladung der Ideenschmiede Glauchau in das kleine westsächsische Städtchen am Rande des Erzgebirges gefolgt, um den Nanokosmos für jedermann begreifbar zu machen. Weiter ging's im Februar und März mit Stopps in der Bundesstadt Bonn und bei den 10. Karlsruher Arbeitsgesprächen Produktionsforschung des BMBF. Ein Etappenrückblick.
Willkommen in Glauchau

Januar 2010

„Nächster Halt Glauchau!“ – Nanotechnologie für jedermann

Gleich zum Start in sein neues Tourjahr hieß es im Nano-Mobil des BMBF  „Full-Truck“. Ende Januar war der nanoTruck der Einladung der Ideenschmiede Glauchau, einer Privatinitiative zur Netzwerkbildung regionaler Unternehmen und wirtschaftlichen Standortsicherung, in das kleine westsächsische Städtchen am Rande des Erzgebirges gefolgt, um den Nanokosmos für jedermann begreifbar zu machen. Sebastian Wanitschka, Gründer der Ideenschmiede, resümierte nach den zwei Tagen im Zeichen der „Winzlingstechnologie“ entsprechend positiv: „Neben den Schülerinnen und Schülern waren die geladenen Gäste aus Wirtschaft, Politik und Stadtverwaltung, aber auch ältere Bürgerinnen und Bürger aus Glauchau von den faszinierenden Phänomenen, die es im nanoTruck zu entdecken gab, begeistert.“ Auch das Glauchauer Stadtoberhaupt, Oberbürgermeister Dr. Peter Dresler, nutzte die Gunst der Stunde und kam zusammen mit dem bildungspolitischen Sprecher des sächsischen Landtags, Nico Tippelt, zur ausgiebigen Visite in den nanoTruck. Beim Stichwort „wissenschaftlicher Nachwuchs “ war Nico Tippelt - nicht zuletzt wegen seines beruflichen Hintergrunds - ganz nah dran am Thema. Noch näher dran waren zwei Schülergruppen vom Georgius-Agricola-Gymnasium und vom Berufsschulzentrum Glauchau, die in zwei nanotechnologischen Workshops Laborluft schnupperten: Kittel und giftgrüne Gummihandschuhe an, kurze Einführung zum Praktikum angehört, und schon ging es  an den Bau einer sogenannten Grätzelzelle aus den Pflanzenfarbstoffen von Hibiskusblüten. Farbstoffsolarzellen als regenerative Energiespender, die sogar einen Soundchip einer Geburtstagskarte zum Tönen bringen können – das Aha-Erlebnis bei den Jugendlichen war groß!

Februar 2010

Besucherrekord in Bonn – über 1.500 staunten über die "Technologie des Winzigen"

Mit einem straffen Veranstaltungsprogramm ging es für den nanoTruck in Bonn weiter. Die Wirtschaftsförderung der Stadt holte die mobile Erlebniswelt Anfang Februar für zwei Tage in die Bundesstadt – und bewies dabei ein gutes Gespür für den richtigen Mix aus „Hands-on“-Veranstaltungsformaten und Gesprächsrunden, die gezielt auf das Interesse von Schülerinnen und Schülern insbesondere der Mittel- und Oberstufe ausgerichtet waren. Auch der Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch konnte sich davon ein lebendiges Bild machen, als er dem nanoTruck am ersten Veranstaltungstag einen persönlichen Besuch abstattete. Dabei stand ein besonders spannendes Anwendungsfeld der Nanotechnologie im Mittelpunkt: die Bionik. Diese bedient sich Vorbildern aus der Natur und überführt sie in technologische Verfahren und Produkte. So stand beispielsweise der Selbstreinigungseffekt der Lotuspflanze Pate für wasser- und schmutzabweisende Oberflächen. Dass „Mutter Natur“ viel häufiger als vermutet hinter Hightech-Erfindungen steckt, dies vermittelten Dr. Petra Ditsche-Kuru und ihr Kollege Dr. Holger Bohn vom Bonner Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen äußerst anschaulich. Über den „Klassiker“ Lotuseffekt hinaus, den der Leiter ihres Instituts, Professor Wilhelm Barthlott in den 1970er Jahren entdeckt hat, erzählte etwa Holger Bohn auch von seinen eigenen Forschungsarbeiten: „Wie kann man die Natur imitieren?“, sei dabei seine zentrale Fragestellung. Etwa eine Haifischflosse, die auf den ersten Blick sehr glatt aussieht. In der Vergrößerung aber – wie bei der  Lotuspflanze – zeigen sich kleine Unebenheiten auf ihrer Oberfläche. Dieses Haken-Prinzip ist beispielgebend für den uns sehr bekannten Klettverschluss.


Nicht weniger bildhaft ging Dr. Norbert Laube vom Deutschen Harnsteinzentrum in Bonn auf revolutionäre Erfindungen in der Medizin dank Nanotechnologie ein. Infektionen seien nach wie vor „die Achillesferse“ der Medizintechnik. Am Beispiel von Harnleiterschienen und Kathetern als zentrale Behandlungsinstrumente von schmerzhaften Harnsteinen erläuterte Dr. Laube, wie hier nanotechnologische Helfer zum Einsatz kommen: Durch eine spezielle, antibakterielle Beschichtung macht man diese Instrumente steril, wodurch das Infektionsrisiko für den Patienten enorm verringert wird. Dank ihrer lebendigen Vorträge mit Informationen aus der eigenen Berufspraxis und ausgiebigen Gesprächen mit den jungen Frauen und Männern hatten die geladenen Wissenschaftler mit ihrem unterschiedlichen Expertenwissen die Jugendlichen neugierig und ihnen eine MINT-Karriere schmackhaft gemacht.

MÄRZ 2010

Karlsruher Arbeitsgespräche – Staatssekretär Dr. Georg Schütte zu Besuch im nanoTruck

Den nanoTruck live erleben wollte auch der Gastgeber der 10. Karlsruher Arbeitsgespräche Produktionsforschung (10. KAG) des BMBF, der neue Staatssekretär im Bundesforschungsministerium Dr. Georg Schütte. Trotz seines engen Terminplans mit offiziellen Programmpunkten im Staccato-Takt ließ er es sich nicht nehmen, die doppelstöckige Nano-Welt in ihrer ganzen Größe zu erkunden. Und dabei im Gespräch mit den beiden nanoTruck-Wissenschaftlern Katharina Müller und Ralf Frese zu erfahren, wie etwa Kinder und Jugendliche die Informations- und Mitmach-Angebote der mobilen Dialoginitiative zur Nanotechnologie annehmen und welche unterschiedlichen Veranstaltungsformate der nanoTruck zu bieten hat. Auch der  Chancen- und Risikodialog mit der Öffentlichkeit  war interessanter Gesprächspunkt, bei dem der aktuelle Stand der Sicherheitsforschung und laufende Forschungsprojekte mit den wissenschaftlichen Projektbegleitern erörtert wurden.


Informationen aus erster Hand über die beruflichen Chancen in der Nanotechnologie gab es für eine Gruppe Schülerinnen und Schüler des Goethe-Gymnasiums während des Job-Talks im nanoTruck, zu dem zwei junge Wissenschaftler mit Fachbereich Nanotechnik eingeladen waren. Die Doktorandin Anja Rollberg vom Leibniz-Institut für Polymerforschung in Dresden beschrieb den Jugendlichen eindrucksvoll, wie sie als Nano-Forscherin an eine wissenschaftliche Problemstellung herangeht. Ihr „Co-Job-Talker“ Ramin Sattari vom Laserzentrum Hannover berichtete von seinem Forscheralltag im Projekt Nano-Part, bei dem er neue, verschleißmindernde Beschichtungsmöglichkeiten für Werkzeuge in der papierverarbeitenden Industrie entwickelt.


Der Besuch im nanoTruck von drei jungen Frauen des Karlsruher Gymnasiums Neureut, die an einem Schüler-Medienworkshop anlässlich der Karlsruher Arbeitsgespräche auf Einladung des BMBF teilnahmen, brachte Anja Rollberg spontan sogar eine kleine Filmrolle ein. Die drei „Reporterinnen für einen Tag“ hatten während des Fachkongresses die Gelegenheit, das Einmaleins der Filmproduktion kennenzulernen und ihr neu erworbenes Know-how sofort in die Praxis umzusetzen. Unter professioneller Obhut von Medien-Coaches der Journalisten-Akademie in der Konrad-Adenauer-Stiftung griffen die jungen Frauen das Thema innovative Produktenstehung am Beispiel Wasser als Nahrungsmittel „Nummer eins“ auf. Und begaben sich in der kongressbegleitenden Ausstellung und im nanoTruck auf die Suche nach der „ultimativen“ Trinkwassermaschine. Beim Exponat „Nanoefficiency“, das die Umwandlung von Schmutzwasser in Trinkwasser innerhalb eines einzigen Fasses durch einen mit Titandioxid nanoskalig beschichteten Spezial-Filter demonstrierte, wurden sie fündig. Anja Rollberg lieferte ihnen dazu den entscheidenden Wortbeitrag. Sie beantwortete die ebenso simple wie anspruchsvolle Frage "Was bedeutet eigentlich „nano“ ?". Die Nachwuchsreporterinnen waren sichtlich überrascht, dass derart winzige Teilchen einen so wichtigen Beitrag zur Lösung des weltweiten Trinkwassermangels leisten können.

  • Schüler des Georgius-Agricola-Gymnasiums bei der praktischen Arbeit an einer Grätzelzelle.
  • Es wird praktisch jetzt! Dr. Katharina Müller bei der Einführung in die Welt der winzigen Strukturen mit Schülerinnen und Schülern des Georgius-Agricola-Gymnasiums in Glauchau.
  • Wunderschön: Das nasse Lotusblatt mit natürlichem "Selbstreinigungseffekt".
  • Bonns Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch im Kreise von Tannenbusch-Gymnasiasten
  • Im Bild rechts: Norbert Laube vom Deutschen Harnsteinzentrum in Bonn mit einer 8. Klasse des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums
  • Hallo Bonn! Am 8. und 9. Februar "gastierte" der nanoTruck auf Einladung der Wirschaftsförderung der Stadt Bonn auf dem Münsterplatz und bekam Besuch von insgesamt vier örtlichen Gymnasien - vom Kardinal-Frings-Gymnasium mit einem Chemie-Kurs der 13. Klasse, vom Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium mit einem Physik-Kurs der 8. Klasse, vom Tannenbusch-Gymnasium mit einer 9. Klasse Chemie/NwT und vom Clara-Frey-Gymnasium mit einem Chemie-Kurs der 12. Klasse. Zum Nnao-Workshop schauten auch eine Gruppe Auszubildender der Stadtwerke Bonn mit ihrem "Coach" Alexander Bach vorbei.