Jede Zukunftstechnologie birgt nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Damit ihr Potenzial für unsere Gesellschaft und das Wirtschaftsleben voll ausgeschöpft werden kann, ist oberstes Prinzip: vorausschauendes, verantwortungsvolles Forschen und Handeln. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung setzt sich durch seine Fördermaßnahmen aktiv für einen sicheren Umgang mit der Nanotechnologie ein. Mögliche Gefahren dieser Schlüsseltechnologie für Mensch und Umwelt sollen wissenschaftlich frühzeitig erkannt, fundiert abgeschätzt und langfristig beherrscht oder gänzlich vermieden werden können. Ein fester Bestandteil in diesem Prozess ist der nationale und internationale Dialog mit allen interessierten und beteiligten Gruppen.
Im Zentrum der aktuellen Sicherheitsdebatte um die Risiken der Nanotechnologie stehen insbesondere die ultrafeinen Teilchen, denn sie können unabhängig von ihrer chemischen Zusammensetzung durch Oberflächeneffekte völlig neue Wirkungen entfalten.
Nanoteilchen besitzen daher prinzipiell ein Gefährdungspotenzial, wenn sie in den menschlichen Körper gelangen, und könnten z.B. in der Lunge Entzündungsreaktionen auslösen. Mediziner wissen aus Erfahrungen mit arbeitsbedingten Erkrankungen (z. B. im Bergbau), dass die Gesundheitsgefährdung durch Partikelbelastungen in der Atemluft zunimmt, je kleiner die Teilchen sind. Wegen ihrer geringen Abmessungen könnten die Teilchen auch in die Körperzellen anderer Gewebe und Organe eindringen, dort wichtige biologische Funktionen beeinflussen und möglicherweise zu Allergien oder Krebs führen. Dieses Gefährdungspotenzial gilt prinzipiell auch für industriell hergestellte Nanoteilchen, auch wenn diese oftmals in agglomerierter ("verklumpter") Form vorliegen und keine NanopartikelTeilchen mit einer Größe unter 100 Nanometer. im eigentlichen Sinne darstellen.
Eine Exposition von Arbeitnehmern und Verbrauchern mit industriell hergestellten Nanoteilchen sollte möglichst ausgeschlossen werden. Im Gegensatz zu natürlichen oder ungewollten Partikelemissionen ist dies bei industriellen Prozessen auch wesentlich besser kontrollierbar. Zu den Ursachen dieser natürlichen oder ungewollten Emission zählen zum Beispiel Vulkanasubräche oder Waldbrände. Verglichen mit der Menge natürlich entstandender Nanoteilchen in unserer Umwelt ist der Anteil industriell hergestellter NanopartikelTeilchen mit einer Größe unter 100 Nanometer. derzeit vernachlässigbar gering. Geht man aber von der Massenproduktion und breiten Anwendung in der Zukunft aus, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass größere Partikelmengen in Luft, Gewässer und Böden gelangen können. Dies ist selbstverständlich sehr stark davon abhängig, wie die Partikel zukünftig produziert, angewendet, verbraucht und entsorgt werden.
Zwar halten industriell hergestellte Nanoteilchen und NanomaterialienWerkstoffe mit einer Abmessung oder Strukturierung unter 100 Nanometer. vergleichsweise langsam Einzug in Fertigung und Alltagsprodukte, doch Vorsorge und Schutz beginnen sinnvoller Weise schon in genau diesem frühen Stadium. Am Anfang der breiten Anwendung einer neuen Technologie zu stehen bedeutet auch, viele mögliche Risiken noch nicht abschätzen zu können, weil nicht genug wissenschaftliche Daten vorliegen.
National und international arbeiten deshalb Wissenschaft, Wirtschaft und Politik gemeinsam mit Behörden und Organisationen an soliden Konzepten für den sicheren Umgang mit der Nanotechnologie. Zu diesem Zweck werden zahlreiche nationale und internationale Forschungsprojekte vorangetrieben.
Ein Beispiel für die Projektförderung des BMBF zu Sicherheitsfragen in der Nanotechnologie ist der NanoCare-Projektcluster mit drei Teilprojekten. Mehr zum Thema...
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat im Frühjahr 2006 gemeinsam mit dem Verband der Chemischen Industrie (VCI) eine Befragung deutscher Chemieunternehmen zum Thema „Verantwortungsvoller Umgang mit NanomaterialienWerkstoffe mit einer Abmessung oder Strukturierung unter 100 Nanometer. am Arbeitsplatz“ durchgeführt. Aufbauend auf den Umfrageergebnissen wurde ein Leitfaden erstellt, der Empfehlungen für die Arbeitssicherheit in nanotechnologisch tätigen Betrieben gibt. Mehr zum Thema...
Die möglichen Risiken sowie die weit reichenden Chancen der Nanotechnologie für Wirtschaft und Gesellschaft können am besten im offenen Dialog aller Beteiligten und Interessierten bewertet werden. Auf diese Weise werden Forschungsaufgaben schneller gelöst, notwendige Rahmenbedingungen im Interesse aller konkreter festgelegt. Aktuelle Entwicklungen werden aus unterschiedlichen Erfahrungsblickwinkeln anhand von Fakten ergebnisorientierter diskutiert. Mehr zum Thema...
Eine Auswahl weiterführender Informationen zum Download.
Foto 2: „Messung von ultrafeinen Partikeln“. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin/Sabine Plitzko; Foto 3: Rainer Sturm/aboutpixel.de; Foto 4: Sven Schneider/aboutpixel.de;
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