Vom 1. bis 3. April stand das Ulmer Congress Centrum ganz im Zeichen innovativer Werkstoff- und Nanotechnologien. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hatte Wissenschaftler und Anwender aus ganz Deutschland zur Fachkonferenz WING-nano.DE an die Donau geladen. Mit dabei das mobile Ausstellungs- und Kommunikationszentrum nanoTruck, der als „nanotechnologisches Experimentierfeld“ die hochkarätig besetzte Tagung flankierte. Und der Ulmer Öffentlichkeit die faszinierende Schlüsseltechnologie zum Greifen nahe brachte, was nicht zuletzt einer Gruppe Journalisten und Schüler bei einem Medien-Workshop im nanoTruck sehr viel Spaß machte.
Quarks & Co.-Frontman Ranga Yogeshwar brachte es zum Abschluss der Konferenz WING-nano.DE Anfang April in Ulm während einer Talk-Runde zum Thema „Neue Technologien und Medien“ auf den Punkt: „Sorge dafür, dass du Beispiele hast, Beispiele für unterschiedliche Zielgruppen, und hole die Menschen da ab, wo sie sind.“ Was eine ganze Mannschaft ausgewiesener Nano-Expertinnen und -Experten auf Einladung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Ulmer Congress Centrum unter dem Titel „Werkstoff- und Nanotechnologien: „Rohstoff“ für Innovationen“ drei Tage lang präsentierten und diskutierten, das fasste der sympathische TV-Moderator als große Herausforderung für die Kommunikatoren aus Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft und Industrie zusammen. „Mach‘ greifbar, was du tust“ lautete denn auch das finale Credo der Diskutanten Wolfgang Heckl vom Deutschen Museum, Caja Thimm von der Uni Bonn, Joachim Müller-Jung von der FAZ, Harald Krug von der Schweizer Empa und Andreas Gutsch von der Li-Tec. Wichtiger Zusatz: „Wenn du verstanden, wenn du akzeptiert werden willst!“
Genau unter dieser Prämisse lud das BMBF am Rande der Fachkonferenz Kongressbesucher und Öffentlichkeit in den nanoTruck, der das in Ulm erstmals zur WING-nano.DE verschmolzene, frühere Tagungs-Duo „nano.DE“ und „WING“ vor prominenter Kulisse auf dem Münsterplatz mit praktischer Nanotechnologie versorgte. Das fanden zwei Gruppen Ulmer Journalisten spannend genug, um der Einladung zu einem Medien-Workshop im nanoTruck nachzukommen, der die gar nicht graue Theorie der Tagung unter dem Titel „Fünf Grätzelzellen für ein Happy Birthday“ mit Praxisbeispielen aus der „Winzlingstechnologie“ unterfüttern sollte. Doch nicht nur sie fanden die Vorstellung, nanotechnologisch zu workshoppen, spannend.
Drei SchülerInnen aus dem Chemie-Kurs 12. Klasse G9 und vier Schüler aus dem Naturwissenschaft und Technik-Kurs der 9. Klasse G8 von Karin Weidner-Reuter, Fächerbeauftragte NwT und Biologie-/Chemielehrerin am Ulmer Schubart-Gymnasium, ließen sich die gemeinsame „Reise per Anhalter durch die Nano-Galaxis“ mit der heimischen Presse ebenfalls nicht entgehen. Und kamen zum Teil schon lange vor Beginn des kollektiven „Aufbaus einer nanokristallinen Farbstoffsolarzelle“ in den nanoTruck. Um sich schlau zu machen über die Geheimnisse des „Treibsands aus Nanokunststoff“ oder über die Funktion biologisch beschichteter Eisenoxid-Nanoteilchen, sogenannter FerrofluidFerrofluide Stoffe bestehen aus nanoskaligen, magnetischen Nano-Partikeln in einer Trägerflüssigkeit.e, die – in ein Krebsgeschwür injiziert – dem Tumor ohne gesundes Gewebe zu zerstören vollständig den Garaus machen sollen.
Als es dann an diesem 1. April um Punkt 13 Uhr „in medias nano“ ging, hatten sich fünf gemischte Doppel aus Journalisten und Schülern gebildet, die alle die Grätzelzelle (Anm.: eine Farbstoffsolarzelle also, bestehend im Wesentlichen aus Nano-Kristallen und z. B. Malventee, so benannt nach ihrem Schweizer Erfinder, Prof. Michael Grätzel) mit der höchsten Spannung bauen wollten. Zu den „Workshoppern“ zählten vier Teams „Print“, darunter die Südwestpresse Ulm mit Manuel Bogner und Andor Schwenzer auf der einen, und den Schülerinnen Tabea Mantel und Lea Böhm vom Chemie-Kurs 12. Klasse auf der anderen Seite. Sowie ein Team „Fernsehen“ mit Regio TV Schwaben-Reporterin Lezius, ihrem Kameramann, Lino Toran Jenner und Alexander Grenzner, beide aus Karin Weidner-Reuters 9b.
Alle Doppel legten sich mächtig ins Zeug beim Einfärben der Plus-Elektrode und der Beschichtung der Minus-Elektrode – beides Glasplättchen, das eine (vor-)beschichtet mit nanometerkleinen Titandioxid-Partikeln, das andere blank zur Beschichtung mit Graphit. "Gemacht habe ich so etwas zwar noch nicht“, sprach Alexander Grenzner der Reporterin von Regio TV seine Workshop-Erfahrung ins Mikrophon, „aber ich versteh’s und interessiere mich dafür.“ Und sein Freund Lino Toran Jenner ergänzte: „Ganz kleine Sachen zu machen hat mich schon immer interessiert. Und dass man damit auch noch etwas verändern kann, das finde ich echt witzig!“
Womit der „hands-on science“-Workshop im nanoTruck – der übrigens mit der erfolgreichen Reihenschaltung aller fünf Grätzelzellen zum Abspielen des namengebenden „Happy Birthday“ auf einem Soundchip endete – die Bedeutung zweier zentraler Forderungen der Gastgeberin der WING-nano.DE, der Bundesministerin für Bildung und Forschung Annette Schavan – an Wissenschaft, Forschung und Industrie in der Praxis eindrucksvoll bestätigte: Aktiv mitzuhelfen, „eine Grundakzeptanz für Technologien zu schaffen, die mit Neuem verbunden sind“ und „eine öffentliche Debatte zu fördern, die zu Forschungsfreundlichkeit in Deutschland führt“. Lino, Alexander, Tabea, Lea, Dominik (Weikert), Jonathan (Glöckle) und Nicolai (Skuppin) wissen jetzt, wovon die Ministerin gesprochen hat.
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