"Wir haben den Landkreis-Rekord aufgestellt!"

Die Tour

Nach dem Motto „Raus aus dem Klassenzimmer, rein in den nanoTruck!“ legte die doppelstöckige Erlebniswelt zum Ende des Schuljahres im Süden der Republik einen viertägigen Stopp in Mittelfranken ein. Im Markt Eckental und in der Stadt Herzogenaurach war der nanoTruck trotz schweißtreibender Temperaturen für Schüler und Lehrer der Gymnasien Eckental und Herzogenaurach, interessierte Bürgerinnen und Bürger, Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ein kleines Sommer-Highlight.

Perfekte Kooperation: Das Workshop-Team Dr. German Hacker und Eberhard Irlinger (v.l.).

Nach zwei spannenden Einsatztagen am Gymnasium Eckental, wo der nanoTruck auf Initiative des Fachbetreuers für Biologie Markus Eiber und auf Einladung der Schulleitung am 27. und 28. Juli „gastierte“, kamen am Morgen des 29. Juli ein bestens gelaunter Initiator des Herzogenauracher nanoTruck-Besuchs, Landrat Eberhard Irlinger, und der Gastgeber des „Nano-Mobils“, Herzos Bürgermeister Dr. German Hacker, voller Neugierde zum nanotechnologischen Intensiv-Workshop in den nanoTruck. Landrat Irlinger gestand unverblümt: „Ehrlich gesagt, ich finde die Nanotechnologie wahnsinnig spannend, aber im Detail begreife ich sie nicht. Meine Aufgabe ist es aber vor allem, die Kommunikation zwischen der Informationsinitiative und dem Landkreis herzustellen, und so die Jugend zu motivieren, sich mit dieser spannenden Zukunftstechnologie zu beschäftigen.“
Wie schnell er die Nanotechnologie beim anschließenden Workshop mit sechs Neusprachlerinnen der Klasse 11 a des Gymnasiums Herzogenaurach dann „be-greifen“ lernte, das hätte sich das Landkreis-Oberhaupt vorher wohl nicht gedacht. Sein Kollege Bürgermeister Dr. German Hacker entpuppte sich dabei als wahres Ass im Ärmel. Der ehemalige Physiklehrer schnupperte beim Schülerpraktikum begeistert Laborluft und unterstützte den Landrat tatkräftig. Im Wettkampf gegen die geballte Frauenpower der drei Teams um Julia Bürkel und Franziska Schlichte, Lisa Brandt und Corinna Götschel sowie Martha Schmidt und Anna Michl traten die beiden Kommunalpolitiker „im Doppel“ an.

Workshop-Team Anna Michl und Martha Schmidt in action (v.l.).

Unter Anleitung der beiden tourbegleitenden Wissenschaftler, Dr. Christian Deutscher und Dr. Markus Döring, baute jede „Kleinstmannschaft“ mit einfachen Komponenten wie Hibiskusblütentee, einem Bleistift, zwei Glasplättchen – davon eines mit einer Titandioxid-Beschichtung – und einem Elektrolyten selbstständig seine eigene Farbstoffsolarzelle. Beim Gespann Irlinger/Hacker brachte sie rekordverdächtige 458 mV Spannung auf das Messgerät, was der Landrat mit der enthusiastischen Bemerkung quittierte: „Kollege, wir haben hier den Landkreis-Rekord aufgestellt!“ Mit 456 mV musste sich das Team Lisa Brandt und Corinna Götschel geschlagen geben und landete auf dem zweiten Platz. Dicht gefolgt von Anna Michl und Martha Schmidt mit 450 mV und den Workshopperinnen Julia Bürkel und Franziska Schlichte mit 430 mV. Am Ende zählte ohnehin nur der Sportsgeist und der Lohn der gemeinsamen Arbeit wurde bei der Reihenschaltung der Grätzelzellen eingefahren: Markus Döring schaltete die einzelnen Solarzellen hintereinander und entlockte dem Soundchip einer elektronischen Geburtstagskarte ein deutlich hörbares „Happy Birthday".
Ebenso spannend wie das “Do it yourself”-Experiment mit den sogenannten Grätzelzellen waren die Einblicke, die Branchen-Experten den Jugendlichen in die unterschiedlichen Einsatzfelder der Nanotechnologie gewährten: „Nanotechnologie steckt überall drin: im Akku Ihrer Kamera zum Beispiel, der mit Hilfe der Nanotechnologie schon bald ein halbes Jahr lang Energie liefern könnte“, brachte Dr. German Hacker zu Beginn des Schülerworkshops ein griffiges Beispiel.

Bärbel Gundermann von Herzo-TV filmt das Interview mit Material-Experte Matthias Hartmann von PUMA, "Job-Talker" im nanoTruck.

Dr. Tim Hosenfeldt von der Schaeffler-Gruppe knüpfte an dieses Alltagsexempel an, und verdeutlichte, wie nanobeschichtete Oberflächen im Bereich Automobil und Luftfahrt zum Einsatz kommen, um Reibung zu verringern und damit Energie zu sparen. „Doch auch das Thema Energiegewinnung im Wasser wird immer aktueller, erläuterte Dr. Hosenfeldt, “um die Abnutzung der Turbinen von Gezeitenkraftwerken auf ein Mindestmaß zu reduzieren, setzen wir auch dort Nanobeschichtungen ein.“ Warum die Lehrmeisterin Natur mit eigenen Phänomenen auch für ein Sport- und Lifestyle-Unternehmen wie der PUMA AG hochinteressant ist, das zeigte Material-Experte Matthias Hartmann beim anschließenden Job-Talk mit der Klasse 10e und den Lehrern Matthias Zell und Hans Drescher am Beispiel top aktueller Produktentwicklungen seines Unternehmens. Von der nanobeschichteten Außenseite eines Laufschuhs perlte Wasser ebenso spurenlos ab, wie beim in Asien beheimateten Lotus-Blatt. „Das Schuhinnere hingegen hat eine hydrophile, also eine „wasserliebende“ Beschichtung", zeigte Hartmann eine weitere, vorteilhafte Materialfunktion, „die den Schweiß leichter nach außen transportiert", und fügte hinzu: „Im Design ist alles schon einmal da gewesen. Wir versuchen, genauso wie unsere großen Mitbewerber in der Sportartikelindustrie, uns über die Funktionen unserer Produkte einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Und dafür ist der Einsatz neuer Technologien hochinteressant.“

Nanotechnologie studieren! Prof. Mathias Göken, Sprecher des Studiengangs "Nanotechnologie" an der Universität Erlangen-Nürnberg, bei seinem Vortrag über den Karriereweg "Studium" im Bereich der Zukunftstechnologie.

Wie aber werde ich Materialentwickler und in welchen anderen Bereichen gibt es Berührungspunkte mit der Nanotechnologie und welcher Bildungsweg ist dann für mich der richtige? Rede und Antwort auf diese und andere Fragen standen beim Job-Talk Martin Eckmann, Ausbildungsspezialist bei der IHK Mittelfranken, und Prof. Dr. Mathias Göken von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Der Mitinitiator des Bachelor- und Master-Studiengangs „Nanotechnologie“ an der Technischen Fakultät, der seit Herbst vergangenen Jahres angeboten wird und bereits 47 Studierende zählt, erläuterte dem jugendlichen Auditorium anschaulich die Inhalte und Ziele „seines“ Studiengangs. Und machte den ZuhöhrerInnen die Querschnittstechnologie als vielleicht schon bald zu den „klassischen“ Studiengängen im Bereich Naturwissenschaften und Technik zählende Wissenschaftsdisziplin schmackhaft: „Die Nanotechnologie ist deswegen so faszinierend, weil sie ganz neue Dinge ermöglicht“, erklärte Göken, und verdeutlichte am Beispiel von Aluminium, wie die Nanotechnologie Werkstoffe und deren Eigenschaften revolutionieren kann. Im Direktvergleich von herkömmlichem Aluminium mit seinem durch nanotechnologische Verfahren veränderten Metall-Pendant zeigte sich das Nano-Aluminium deutlich robuster. „Durch ein nanotechnologisches Verfahren hat man hier dem Aluminium eine sehr feine Struktur gegeben, die es sozusagen unverbiegbar macht“, so der Experte. 

Fotonachlese nanoTruck in Herzogenaurach

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Mit großer Begeisterung wollen nach dem Besuch des nanoTrucks in Eckental und Herzogenaurach einige Lehrkräfte Informationen und praktische Beispiele aus der mobilen Erlebniswelt in ihre Klassenzimmer mitnehmen: „Ich habe heute viel dazu gelernt. Sehr gerne würde ich die Nanotechnologie als Themen-Baustein in den naturwissenschaftlichen Unterricht integrieren“, zeigte sich Hildegard Jurasek, Chemie-Lehrerin am Gymnasium Eckental, in puncto Nachwuchsförderung engagiert. Und ihr Kollege Markus Eiber, Fachlehrer Biologie und Chemie sowie Initiator des nanoTruck-Besuchs am Gymnasium Eckental, ergänzte: „Insbesondere wegen des praktisch erlebbaren Informationsangebotes kann der nanoTruck Schülerinnen und Schülern sehr gut vermitteln, in welche Bereiche die Nanotechnologie überall hineinwirkt und noch hineinwirken kann.“ Bei soviel Motivation wird Prof. Mathias Göken die 100-Studienanfänger-Marke, die er sich für das kommende Wintersemester gesetzt hat, sicherlich leicht knacken können.

Fotonachlese nanoTruck in Eckental

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